Meine Bindungsanalyse und was sie bewirkt hat

Um mich auf meine zweite Geburt vorzubereiten, die nun etwa ein halbes Jahr her ist, habe ich zum einen Haptonomie mit meinem Mann zusammen gemacht (siehe dazu den Artikel) und bin von Anfang an zur Bindungsanalyse gegangen. In diesem Beitrag werde ich meine Erfahrungen mit euch teilen und euch erklären, was Bindungsanalyse ist und wie sie funktioniert.

Für die Bindungsanalyse habe ich mich entschieden, da ich schon während meiner ersten Schwangerschaft in den Genuss einer Sitzung kam und das sehr spannend fand. Dieses Mal wollte ich das volle Programm! Und da ich zu dem Zeitpunkt auch noch nichts von der Haptonomie wusste, war für mich klar, dass dies mein Weg der Geburtsvorbereitung sein wird. Denn auch als HypnoBirthing Kursleiterin und mit all meinem Wissen zur Pränatalpsychologie wollte ich neue Wege der Geburtsvorbereitung kennenlernen und mich dabei begleiten lassen. Die Begleitung ist dabei eigentlich das Wichtigste! Und ich bin so froh, dass ich an unsere Bindungsanalytikerin gelandet bin, die ebenfalls Körperpsychotherapeutin ist, was sie immer wunderbar mit einfließen lassen konnte und mich so in meinem Wachstum sehr unterstützt hat.

 

Was ist Bindungsanalyse?

Auf der Website der Bindungsanalyse (www.bindungsanalyse.de) heißt es dazu unter anderem: “Die Mutter-Kind-Bindungsanalyse ist eine Form der Schwangerschaftsbegleitung, bei der Sie als Schwangere die Möglichkeit bekommen, mit Ihrem Baby in Kontakt zu treten und so schon vor der Geburt eine tiefe Beziehung mit ihm aufzunehmen.”

Es ist eine Methode, die von den ungarischen Psychoanalytikern Janö Raffei und György Hidas  in den 1990er Jahren entwickelt wurde. Sie erkannten welch wichtige Rolle für die spätere Entwicklung die Qualität der frühen Bindung einnimmt. Ihre Methode ist tatsächlich auch sehr an die klassische Analyse angelehnt, vor allem was das Setting der Sitzungen betrifft. Im Liegen wird man hier durch die Bindungsanalytikerin in einen entspannten Zustand gebracht, um dann in Kommunikation mit dem Baby gehen zu können. Kommunizieren kann heißen, man sieht Bilder, Farben oder nimmt etwas als Gefühl oder körperlich wahr. Alles ist erlaubt und jeder Sinn kann als Kommunikations-Kanal fungieren. Da wird jede Schwangere einen ganz eigenen Zugang haben, der sich nicht pauschal darstellen lässt.

Bei mir war es so, dass ich, nachdem ich meine Gebärmutter um Einlass gebeten hatte, mein Baby fast immer sehen konnte. Klar, am Anfang war ich auch unsicher: sind das jetzt meine Gefühle/Bilder/Gedanken oder kommen die tatsächlich vom Baby? Doch mit der Zeit spielt man sich zusammen ein und wird sicherer. Oft habe ich das Baby in einer bestimmten Farbe gesehen, die jedes Mal anders sein konnte. Doch für mich war die Vorstellung von einem warmen Gold, dass uns durchströmte am schönsten. Es war manchmal so intensiv, dass mir die Tränen kullerten. Gerade dieses Gefühl, der unendlichen und bedingungslosen Liebe ist etwas unfassbar schönes.

Es wird also der Kommunikationskanal für BEIDE Seiten geöffnet! Ich konnte meinem Baby innere Bilder schicken und bekam welche von ihm zurück.

Das Baby lernt dadurch, dass es gesehen wird und zwar als ganz eigene Person, was für die Geburt, aber auch die spätere Entwicklung unglaublich wichtig ist. Sein Selbstvertrauen und seine Selbstwahrnehmung werden gestärkt.

In den letzten Sitzungen wird der Ablöseprozess begleitet und mit dem Baby wird auch die Geburt thematisiert. Das Leben nach der Geburt wird angesprochen und es wird geschaut, ob bei Mama oder Baby noch irgendwelche Blockaden/Ängste/Sorgen stecken, die eine schöne und leichte Geburt behindern könnten.

Das tolle an der Bindungsanalyse ist, wie ich finde, dass sie eine weiter nicht vorbelastete Mama wie mich in einen noch intensiveren Kontakt zu ihrem Baby bringt und gleichzeitig fast therapeutisch bei vorbelasteten Frauen mit traumatischen Geburtserfahrungen eingesetzt werden kann. So ist es für alle Gewinnbringend und jede kann etwas auf dem Stand wo sie ist, für sich und ihr Kind mitnehmen.

 

Ablauf der Bindungsanalyse

Die Bindungsanalyse kann man sehr früh starten. Ich war in der 12 SSW als ich zum ersten Gespräch ging. Je früher, desto besser! Denn sie umfasst ca. 10 – 15 Babystunden, in denen man wie eben beschrieben Kontakt zum Baby aufnimmt. Vorher findet noch eine ausführliche Anamnese statt. Die Abschlussphase ab der 37. SSW kann man bis zur Geburt machen und beinhaltet den begleiteten Ablöseprozess, der Mutter und Baby auf die Geburt vorbereitet (wobei ja alles vorher auch schon darauf vorbereitet!).

Die Sitzungen finden je nach Bedarf einmal oder zweimal pro Woche statt. Als Zweifach-Mama kam für mich nur einmal pro Woche in Frage und auch da gab es einige Ausfälle zwischendurch wegen Krankheit/Urlaub und was das Leben sonst noch so mit sich bringt. Das sollte man immer beachten, da man oft denkt “ist ja noch genug Zeit”. Und schwupps, 9. Monat!

Die Sitzungen dauern ca. eine Stunde, je nachdem wieviel vorher und nachher noch gesprochen wird. Ich war fast immer länger dort, da wir uns immer noch so nett unterhalten und oft noch fachlich ausgetauscht haben.

Männer sind in diesem Setting ebenfalls sehr erwünscht! Wir haben es selbst nur zweimal hinbekommen zusammen hinzugehen, da wir dann auch noch mit der Haptonomie begonnen hatten. Doch es ist immer sinnvoll auch hier für den Prozess des Bindungsaufbaus auch den Mann für einige Sitzungen zu integrieren, wenn möglich. Immerhin ist er ebenfalls Teil des “Systems” und sollte nie außen vor sein.

 

Warum braucht man soetwas?

Gerade von den älteren Generationen kann man hier auf großes Unverständnis stoßen, schließlich kamen die Kinder früher auch ohne diesen “Schnickschnack” zur Welt. Da kann ich nur immer wieder sagen: heute wissen wir einfach wieder viel mehr darüber, was während der Schwangerschaft mit den Babys passiert und wie wichtig eine sichere Bindung für das gesamte weitere Leben ist. Außerdem haben wir heute die Möglichkeiten dazu, dieses Wissen zu nutzen und umzusetzen. Damit wollen wir niemanden ein schlechtes Gewissen einreden oder sagen “alles was ihr früher gemacht habt war schlecht”. Sondern es ist heute einfach “anders” und das ist doch auch völlig in Ordnung so.

Eine sichere Bindung gehört nämlich keinesfalls zur Kategorie “Schnickschnack”, sondern ist ein elementares Bedürfnis, dass erfüllt werden darf. Es hat so viele Vorteile für das gesamte Leben, wie es Nachteile gibt, wenn ich keine sichere Bindungserfahrung machen konnte. So kann als Beispiel ein sogenannter unsicher-ambivalenter Bindungsstil überzufällig oft bei Frauen mit Essstörungen gefunden werden (vgl. Steins, Albrecht, Stolzenburg, 2002). Und so lassen sich zahllose andere Auffälligkeiten bei unsicher gebundenen Kindern und Erwachsenen finden. Daher lohnt es sich in der Schwangerschaft auch auf den eigenen “Bindungsstil” zu schauen, da man diesen an das eigene Kind weiter gibt.

Also “ja, Bindungsarbeit lohnt sich und zwar nicht nur erst nach der Geburt!” Sie kann die Geburt so positiv beeinflussen, dass jegliche Interventionen unnötig werden, da Mutter und Kind in einem so perfekten Zusammenspiel die Geburt meistern und nichts und niemanden sonst dafür brauchen. Und das lohnt sich wohl allemal!

 

Fazit zur Bindungsanalyse

Mich hat der Vorgang und der Nutzen der Bindungsanalyse definitiv so überzeugt, dass ich das Konzept ebenfalls in meine Arbeit integriert habe. Die Zeit mit meinem Baby in einem gehaltenen und unterstützenden Raum hat mir und dem Kleinen sehr viel gebracht! Durch unsere zweigleisige Vorbereitung kann ich natürlich nicht sagen, wie ich am Ende was, welcher “Methode” zuordnen kann. Doch da beide Methoden auf eine enge Verbindung zwischen mir und meinem Baby abzielten, bin ich davon überzeugt, dass sie gerade in ihrer Kombination von Berührung mit den Händen und der inneren Präsenz zu dieser wunderbaren Geburtserfahrung beigetragen haben. [/vc_column_text][templatera id=”5710″]

2 Kommentare zu „Meine Bindungsanalyse und was sie bewirkt hat“

  1. Ich habe vorher noch nichts von einer Bindungsanalyse gehört. Interessant, dass das ein Teil der Schwangerschaftsbegeleitung sein soll. Es ist sehr wichtig, dass Mutter und Kind eine starke Bindung zueinander aufbauen. Das Kind nimmt sehr viel im Mutterleib auf, weswegen es wichtig ist positive Gefühle zu vermitteln.

    1. Die Bindungsanalyse kann ein sehr wesentliches Element einer umfassenden Schwangerschaftsbegleitung und sogar der Geburtsvorbereitung sein.

      Es lohnt sich sehr mit dem Konzept der Mutter-Kind-Bindungsanalyse und den Werken von Dr. Jenő Raffai und György Hidas zu beschäftigten.

      Das Konzept fließt auch regelmäßig in unsere Arbeit ein und hat einen festen Platz in der isppm e.V.

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