Symptome eines Geburtstraumas | TRAUMgeburt #010

Transkript:

Herzlich willkommen zu einer neuen Podcast Folge “TRAUMgeburt nach TRAUMAgeburt”!

Ich bin Anabel und eure Gastgeberin, bin 4fach-Mama, Pränatal-Psychologin und leite das Zentrum für Geburtspsychologie.

Ich freue mich sehr, dass du hierher gefunden hast und habt dir was ganz Spezielles mitgebracht denn wir werden einen Themen-Monat machen und diesen Monat ist das Thema “Woher weiß ich, dass ich ein Geburtstrauma habe?” und heute geht’s ganz speziell um die Symptome. Viel Spaß!

Symptome eines Geburtstraumas

Wie ich vorhin schon gesagt habe, wir werden jetzt jeden Monat ein Monatsthema haben und dazu dann ganz ja kleinstückig und detailliert uns Themen anschauen. Deswegen wird es in der heutigen Folge um die Symptome gehen, damit du überhaupt einschätzen kannst für dich ob ein Geburtstrauma von der letzten Geburt oder den letzten Geburten bei dir vorliegt. Dann werde ich in den nächsten Folgen noch darauf eingehen, welche besonderen Geburtstagerfahrungen es gibt und wie in den bestimmten Geburtsmodi also z.B. Kaiserschnitt, Saugglocke, Geburtszange und so weiter wie es da zu einem Trauma kommen kann. Und ich werde auch noch eine Folge über Gewalt in der Geburtshilfe machen.

Jetzt hast du schon mal einen Überblick über die nächsten Folgen.

Heute geht’s also um die Symptome.

Wenn du jetzt wieder schwanger bist und schon geboren hast kannst du jetzt für dich überlegen ob das auf dich zutrifft: denn ein Geburtstrauma ist häufig – wenn man es nicht verarbeitet hat – etwas womit man noch lange zu tun hat, womit man noch lange dran zu knabbern hat. Das kann in einer sehr ausgeprägten Form sein – also man würde ja auch ganz klassisch von einer posttraumatischen Belastungsstörung sprechen – wenn es wirklich ja ein ausgeprägtes Trauma ist und es kann aber auch einfach symptomhaft sein, also dass du einzelne Symptome aus dieser komplexen Störung der posttraumatischen Belastungsstörung hast.

“Ich brauche nur daran denken und schon kommen mir wieder die Tränen und dabei will ich doch gar nicht weinen!”

z.B. kann es sein, dass du, wenn du an die letzte Geburt denkst, sofort wieder in dem Gefühl bist. Das ist eigentlich das häufigste wie Frauen das beschreiben, wenn Sie zu mir kommen: Sie sagen dann: “Ich brauche nur daran denken und schon kommen mir wieder die Tränen und dabei will ich doch gar nicht weinen!” Das ist ein Zeichen dafür, dass dann noch ungelöste Gefühle sind und man da noch mal hinschauen darf.

Es kann auch intensiver sein in Form von richtiger Angst oder Panik vor der bevorstehenden Geburt. Wenn man jetzt wieder schwanger ist, dass die Frauen eben dann berichten: Ok ich habe mich zwar gefreut es war auch eine geplante Schwangerschaft, aber jetzt hatte ich erstmal Panik, weil ich will nie wieder so eine Geburt erleben, wie ich sie erlebt habe.

Geburtstrauma verarbeiten

Wenn du so über deine Geburt, über deine letzten Geburten denkst, dann kannst du davon ausgehen, dass du auf jeden Fall eine belastende Geburtserfahrung gemacht hast, ob im Form eines klassischen Trauma oder nicht. Und dann hängen da noch Gefühle und Körperempfindungen dran, die es gilt anzuschauen und gegebenenfalls auch zu heilen loszulassen – jedenfalls auf den Heilungsweg zu gehen.

Denn was ich auch schon häufig erlebt habe, ist einfach, dass ich sich Geburten reinszenieren können. Das ist wie mit allen anderen traumatischen Erfahrungen, wenn ich einmal so ein Erlebnis habe die Wahrscheinlichkeit, dass – wenn dieselbe Situation wieder eintrifft – ich das wieder erlebe es doch sehr hoch.

Hinderliche Gedanken

So habe ich schon öfter Frauen gehabt z.B. die nur bis zu einem gewissen Art in der Eröffnungsphase gekommen sind. Also z.B. nur bis 7 cm oder nur bis 5 cm und dass dann teilweise auch bei mehreren Geburten und sich dann natürlich bei ihnen festgesetzt hat: “Oh, dass es geht bei mir gar nicht, ich kann mich gar nicht auf 10 cm Fall eröffnen, da ist irgendwas mein Körper macht das nicht das geht nur bis 7 cm und deswegen kann ich nicht gebären. Das ist dann ein unglaublich hinderlicher Gedanke, wie du dir vorstellen kannst, weil, wenn du damit in die Geburt gehst und unter der Geburt hörst du bist jetzt bei 7 cm dann bist du innerlich draußen, schaltest du ab. Dann denkst du: “Okay jetzt ist eh vorbei!” “Weiter kann mein Körper ja nicht!”

Unbewusste Ängste und Gedanken nach einem Geburtsrauma

Das ist nicht mal etwas, was bewusst passieren muss. Da passiert einfach ganz viel unterbewusst bei uns. Vor allem ganz viel durch den Körper. Weil der Körper speichert die Erfahrungen und der ruft das dann wieder ab.

Unsere Gehirn genauso: unser Gehirn arbeitet ja so energieeffizient, wie möglich, was meistens gut ist und in diesen Fällen aber auch schädlich sein kann. Weil es dann sagt: ok die und die Situation – Schublade auf und so weiter…

Es kann sein, dass du Schlafprobleme hast.
Also, du bist jetzt schwanger geworden und eigentlich kannst du gar nicht mehr schlafen und fragst dich warum und dich blagen dann Gedanken: Vielleicht rund um die Geburt das kann auch sein, vielleicht war die Schwangerschaft sehr belastend, die du erlebt hattest. Vielleicht hattest du starke Beziehungsprobleme starke andere Sorgen und Ängste, finanzielle Sorgen, vielleicht machst du dir Sorgen wegen deinem Arbeitsplatz. All diese Sachen. Wenn du sie sozusagen aus der letzten Schwangerschaft in die jetzige wieder mit rein nimmst, können sie ein Zeichen einfach dafür sein, dass du da noch was hast, was du mit dir trägst und das ist wichtig zu schauen.

Ok, aber jetzt in dieser Schwangerschaft oder zu diesem Zeitpunkt bin ich mit ganz anderen Themen da bin ich doch schon safe da keine finanziellen Nöte und Sorgen mehr und ich kann viel entspannter in die Geburt gehen. Denn diese ganzen äußeren Umstände und Probleme und seelischen Belastungen, auch die wirken sich natürlich auf eine Geburtserfahrung aus. Wenn man da sehr gestresst dann in so eine Geburt geht, ja dann kann das eben auch sein dass das nicht schön endet.

Was könntest du noch für Symptome haben?

Du könntest z.B. schon Panik kriegen bei dem Gedanken daran in die gleiche Klinik zu gehen oder zu demselben Geburtsort zu gehen, wo du dein vorheriges Kind geboren hast, weil dich das zu sehr daran erinnert, weil dich das triggert.
Trigger wird ja mittlerweile sehr sehr “spendabel” verwendet als Begriff. Deswegen versuche ich immer andere Beschreibungen zu finden, also im Grunde sind es dann Erinnerungen, Gedanken, Gefühle, Gerüche, Geräusche, die dich einfach an diese ganz spezielle Geburtssituation erinnern und die dir Angst machen. Und dann merkst Du eben auch: okay das ist dann wohl nicht gut gelaufen, was ich da erlebt habe. Manchmal ist es nämlich einfach so dass Frauen das auch erst in der Folgeschwangerschaft reflektieren können, dass die letzte Geburt nicht gut gelaufen ist. Weil sie das bis dahin einfach so abgespeichert haben: “Okay, das war wohl alles so normal”. Weil vielleicht auch das Geburtspersonal das so darstellt: “Ja, war ja ne ganz normale Geburt”, “War ja ein ganz normaler Kaiserschnitt so wie bei jedem anderen auch” und “War alles super, war alles gut” oder wie auch immer.

Dir geht’s gut, dem Kind geht’s gut alles ist gut?

Auch das Umfeld ist ja schnell dabei zu sagen: “Na ja, ok war ein bisschen schwieriger, aber sei doch froh. Dir geht’s gut, dem Kind geht’s gut alles ist gut! Und dass man dann niemanden hat wo man sich hinwenden konnte. und dann immer mit diesem Gefühl zwar rumgelaufen ist: “Irgendwas stimmt irgendwie nicht…” Aber es hat keiner für einen in Worte fassen können und es hatte auch keiner ein richtiges Verständnis oder Ohr dafür. Und jetzt kommt aber diese Folgeschwangerschaft und die bringt dich natürlich automatisch wieder an diesem Punkt, die zwingt dich nochmal hinzuschauen. Und dann kann es eben sein, dass du merkst “ok also ich habe eigentlich ziemlich Panik vor dieser Klinik” oder “ich will schon gar nicht zum zum Gynäkologen gehen”, “Ich hasse es, mir schon alles”, “Da kriege ich Angst” oder “Da werde ich traurig” oder “Da muss ich weinen” und dann sind das eben Zeichen für dich zu sehen “okay, vielleicht hatte ich von damals Recht mit meinem Gefühl, dass da was nicht für mich nach meinem Empfinden und Erleben in Ordnung war”.

 

Das Wichtige ist immer zu sehen, dass dein Erleben, wie du diese Geburt da erlebt hast dein Empfinden das einzige was zählt.

Klar kann das für den Arzt oder die Hebamme oder andere Begleitungen oder Personal ganz anders, für die kann das ganz anders gewirkt haben. Jeder hat nun mal sein eigenes Erleben. für den Arzt kann das ein ganz Standard-Kaiserschnitt oder eine ganz Standard-natürliche Geburt sein. Für die Hebamme auch.
Aber wichtig ist – und das ist das EINZIGE, was zählt, wenn wir über ein Trauma sprechen – was DU dabei gefühlt und empfunden hast. Das ist es, was zählt und wenn DU das Gefühl hattest. Das ist nicht gut gelaufen, das war nicht so, wie du es dir gewünscht hast, wie du es dir vorgestellt hast wie auch immer: Du hast dich ohnmächtig gefühlt, hilflos.
Dann ist es, das, was zählt. Das ist dann einfach so! Egal ob das objektiv stimmt oder so!

Es gibt kein objektives psychisches Geburtstrauma – Es gibt nur ein subjektives Geburtstrauma!

Und gerade diese Gefühle: Ohnmacht, Verzweiflung, Hilflosigkeit sind auch Gefühle die mit einer traumatischen Erfahrung im Zusammenhang stehen. Wenn du jetzt wieder in diese Gefühle kommst, ja wenn du nur an die Geburt denkst, du schon direkt Angst vor diesen Gefühlen hast, dann ist es auch dafür ein Zeichen, dass das nicht gut gelaufen ist.
So kannst du dich selber überprüfen du kannst deinen Körper überprüfen.

Wie reagierst du jetzt auf ein vorheriges Geburtstrauma in einer Folgeschwangerschaft?

Es gibt auch viele Frauen, die dann mit starken Übelkeiten reagieren. Das möchte ich überhaupt nicht pauschalisieren und sagen jede Schwangerschaftsübelkeit bedeutet irgendwie eine innere Abwehr oder ähnliches! Sondern ich würde einfach sagen: da ist der Körper gerade in einem – natürlich – krassen Anpassungsprozess, der muss sich öffnen, der muss dieses Baby sich einnisten lassen und der zeigt damit ja auch was er jetzt gerade braucht: Nämlich ganz viel Ruhe, Zurückgezogenheit, all diese Dinge! Und das fällt natürlich gerade in der Folgeschwangerschaft häufig noch schwerer, als in der ersten, weil dann halt auch schon ein Kind oder Kinder da sind und man das nicht ganz so frei und beliebig machen kann, wie man es in der ersten Schwangerschaft gemacht hätte. Trotzdem ist es einfach wichtig da auf seinen Körper zu hören, was zeigt der mir jetzt was brauche ich jetzt und direkt von Anfang an auch damit umzugehen und darauf einzugehen. Weil genau das möchtest Du ja jetzt in dieser Schwangerschaft dir auch nochmal ganz genau aneignen: dieses Körperempfinden und diese Bindung zu deinem Baby.
Das machen wir aber noch mal in einem anderen Podcast!

Der Lebensrucksack

Und wenn du eben merkst, dass du die ein oder andere Baustelle hast – ich sage immer: das ist halt der ‘Lebensrucksack’; das hast du vielleicht schon einmal gehört bei mir – den du mit dir trägst und da drinne hast du eben alles in deinem Lebensrucksack: du hast Steine, du hast Blumen, du hast Geschenke, du hast ein Haufen Scheiße drinne – um es mal so zusagen. Und das trägst du einfach auch mit in die Geburt! Jeder, der da ist hat sein Lebensrucksack mit dabei und für dich als Gebärende das ist einfach total heilsam und eine super Gelegenheit auch, diese Schwangerschaft zu nutzen und zu sagen: ok, welche Steine und welche Päckchen, die ich gar nicht haben will, kann ich denn da rausnehmen und du was kann ich mir denn stattdessen womit fülle ich mir dann meinen Rucksack stattdessen? Was nehme ich mir denn Schönes mit? Und was mich dann für die Geburt unterstützt?

Ja, und wenn nicht jetzt wann dann? Weil, wenn du jetzt in die nächste Geburt gehst, es wird eine total andere Erfahrung, wenn du jetzt was tust. Das kann ich dir sagen! Es ist einfach so, wir sind ja nicht im Stillstand und es geht immer vorwärts! Immer vorwärts! Und du hast dich jetzt schon entwickelt, du hast dich weiterentwickelt, du bist schon Mama geworden, du hast schon… wow geleistet und du bist damit umgegangen mit dieser Erfahrung! Es geht immer weiter und wenn du jetzt eben nicht dicht machst und sagst “ Um Gottes Willen! Ich mal die Augen zu und tue so, als sähe ich es nicht und halte es irgendwie aus und warte einfach ab, dass es nicht so gut. Dann passiert vielleicht genau dasselbe! Sondern, wenn du jetzt sagst:” ok und jetzt nehme ich das eben als Chance!” Dann passiert genau das, was ganz viele Traumatherapeuten ja immer berichten, dass so ein Trauma, also wenn wir so richtig unten sind, und einfach nur “Scheiße” erlebt haben und dann da rauskommen und dann den Heilungsweg sozusagen gehen als Bild. Dass wir dann unglaublich kraftvoll werden können.
Diese Erfahrung kann ich nur teilen!

Wenn du dabei Unterstützung wünschst

und jemanden an deiner Seite der professionell aber auch liebevoll arbeitet , dann lade ich Dich herzlich ein Kontakt zu mir aufzunehmen und dich zu melden.

Gerne unter info@nestkinder.de oder du schaust auf unserer https://geburtpsychologie.de -Seite selber nach liest dir nochmals durch, was wir so treiben.

Gut, das war’s dann auch schon für heute.

Ich versuche diese Podcasts ja nicht zu lange zu gestalten, weil ich weiß: Mamas haben nicht immer so viel Zeit.
Das nächste Mal kannst du dich dann auf das Thema Kaiserschnitt vorbereiten dann werden wir schauen, was es damit auf sich hat im Zusammenhang mit dem Thema “Geburtstrauma”.

Ich wünsche dir eine gute Zeit und eine super schöne Kugelzeit und freue mich!

Bis bald!
Ciao

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top