Stillen: Von Freude und Trauer

Seit dem Bindungskongress war es ganz schön ruhig um uns geworden. Das lag jedoch nicht daran, dass wir die Füße hochgelegt haben, sondern so viele Dinge anlagen, die unsere Aufmerksamkeit gebraucht haben.
Der Kongress war eine schöne und zugleich herausfordernde Erfahrung. Eine Veranstaltung für so viele Menschen zu organisieren… da sollte einem das Thema wirklich am Herzen liegen.
Wo ein Wille ist…
Doch so geht es uns ganz häufig im Leben. Etwas anstrengendes, wofür wir viel Mühe, Zeit und Energie aufbringen müssen, kann gleichzeitig etwas wundervolles sein!
Gerade beim Thema Schmerz lässt sich dies gut veranschaulichen. Wenn Menschen etwas unbedingt wollen, so wie ein Tattoo z.B. sind sie auch bereit, die damit verbundenen Schmerzen zu ertragen. Nun stelle sich mal jeder vor, er würde zwangsweise tattoowiert, obwohl er das nicht möchte. Wer hat wohl mit einem größeren Schmerzempfinden zu kämpfen? Das lässt sich wunderbar auch auf den „Geburtsschmerz“ übertragen.
Doch heute geht es ums Stillen. Ein Thema, was jede junge Mutter betrifft. Und mit „jung“ meine ich frischgebacken!
Die Herausforderungen beim Stillen
Stillen stellt für viele von uns immer wieder eine Herausforderung dar. Die Gründe dafür sind so individuell wie die Mütter und deren Kinder selbst. Viele Mütter haben mit (oft) anfänglichen Stillproblematiken zu tun. Die Brustwarzen schmerzen; das Kleine dockt nicht richtig an; Milchstau und Fieber und vieles mehr.
Natürlich gibt es Mütter, da klappt es mit dem Stillen von Anfang an. Und doch sehen sie sich einer großen Herausforderung gestellt. Denn, stillen nach Bedarf kann an sich schon zu Phasen der Verzweiflung führen. Gedanken wie „was, schon wieder?“ oder „eigentlich mag ich jetzt nicht mehr!“ schleichen sich ein und führen direkt (so sind wir liebenden Mütter eben) zu einem schlechten Gewissen und der Frage „was für eine Mutter bin ich?“.
Diese Frage zu beantworten fällt oft gar nicht so leicht, da sie eben sehr komplex und von so vielen Faktoren abhängig ist.
Was uns oft bewusst gar nicht so klar ist, ist das Stillen eine für uns ganz persönliche Bedeutung haben kann. So ist es nach einem Kaiserschnitt häufig der Wunsch der Frau, „wenigstens“ ihr Baby selbst versorgen zu können. Bei einer Frau mit Gewalterfahrung oder sexuellen Übergriffen, kann es ein Trauma antriggern, das unbearbeitet ist. Auch familiäre Verwicklungen, wie aus der Tochter-Rolle hinein in die Mutter-Rolle zu schlüpfen, können sich im Stillen präsentieren.
Denn stillen ist etwas urweibliches! Wann bin ich mehr Frau als bei der Geburt und beim Stillen?
Hier komme ich meiner puren, wilden Weiblichkeit am nächsten.
Das kann Angst machen, das kann erschrecken. Wenn ich diesen Zugang verloren habe, kann ich es mir vielleicht auch in diesen Momenten nicht gestatten, ganz FRAU zu sein. Und das beeinflusst natürlich auch die Stillbeziehung.
Frauenpower!
Dann sieht man diese Frau, die ganz in ihrer Kraft ist, geerdet, im Einklang mit sich und ihrem Baby. Für sie ist gebären und stillen selbsterfüllend. Bei ihr scheint alles leicht zu sein. Wir alle würden uns gerne eine Scheibe von ihr abschneiden. So viel Selbstbewusstsein, so viel Power. Die gute Nachricht ist, in jeder von uns steckt so eine vor Weiblichkeit strotzende Power-Frau, die einfach jede Herausforderung zu meistern weiß. Wir müssen uns nur manchmal trauen, sie raus zu lassen…
Schmerz und Freude liegen manchmal so dicht beieinander… scheu dich nicht, dir Unterstützung zu holen, gerade was das Stillen betrifft. Es hat sich gezeigt, dass eine gute Begleitung zu einer höheren Zufriedenheit und vor allem zum vielleicht schon aufgegebenen Stillerfolg führen.
Die „Anstrengungen“ sind es wirklich wert, wenn du dir die Vorteile für dein Kind vor Augen führst. Für dich ist es eine sehr begrenzte Zeit, von einem oder drei Jahren (wobei hier ja die Stillhäufigkeit auch stark abnimmt). Doch für dein Baby im ersten Lebensjahr ist es sehr wertvoll, diese Zeit zu bekommen. Denn, wie wir heute wissen, ist Stillen nicht nur Nahrungsaufnahme. Ganz häufig stillen wir aus einem emotionalen Bedürfnis des Kindes heraus. Das emotionale Stillen ist mit Sicherheit genauso häufig oder noch häufiger als das Stillen von Hunger.
Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme
An der Brust verarbeiten unsere Kleinen ihre Entwicklungsschübe, ihre Eindrücke aus dem Alltag, ihren Frust, ihre Freude. Und das hört nie auf! „Zurück zur Brust“ heißt es bei jedem Entwicklungsschub, egal ob gestillt oder mit der Flasche gefüttert. Das ist in veränderter Form auch noch mit 2, 3, 4 usw. Jahren so. Auch dann gibt es Phasen wo die Kinder sehr anhänglich, Mama-bezogen sind und wie ich es gerne sage: „kein Blatt Papier zwischen uns lassen“. Daher lohnt es sich früh Strategien für sich zu entwickeln, um nicht in eine Überforderung zu kommen.
Immer dann, wenn man in einer solche Phase „steckt“, kann es sich so anfühlen, als würde sie nie enden. Doch das tut sie und dann sieht man das Ergebnis: wieder mehr Autonomie für das Kind. Irgendetwas haben sie sich dann erarbeitet und plötzlich ist ein riesiger Entwicklungssprung spürbar. Das sind einfach nur wundervolle Momente! Ich bin jedes Mal wieder erstaunt…
Gib dir und deinem Baby die Zeit, die ihr braucht. Wenn dein Baby oder Kleinkind viel Bedarf an Nähe hat, dann um kurze Zeit später (auch wenn sich dies manchmal ewig anfühlen kann) wieder einen riesigen Schritt in Richtung Autonomie zu machen und sich von dir ein Stück weit zu „lösen“. Diese Entwicklung schaffen sie viel schneller und sicherer, wenn sie wissen, dass sie bei dir alles bekommen, was sie brauchen. Und das sind eben die herausfordernden Dinge wie Zeit, Nähe, Geduld und bedingungslose Liebe mit einem unendlichen Vertrauen in diesen kleinen Menschen, der schon so richtig ist wie er ist, den man begleiten, aber nicht formen muss.
Herzliche Grüße
Anabel

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