„Selber machen!“ – Die Autonomiephase mit 2 Jahren

Wer von euch schon ein Kleinkind hat weiß genau, was ich hier ansprechen möchte. Und wessen Kind bald in dieses Alter kommt, aufgepasst! Denn hier geht es richtig rund. Früher wurde diese Phase als „the terrible two“ bzw. „three“ genannt, was so viel heißt wie „die schrecklichen zwei (oder bei manchen auch drei)“. Damit ist der Altersabschnitt gemeint, wenn die Kinder so um ihren zweiten Geburtstag herum beginnen endlich ihre Autonomie lauthals einzufordern. Zum Glück hat sich der Blick auf dieses Alter verändert und es wird heute vermehrt als die „Autonomiephase“ bezeichnet. Darunter fällt auch die sogenannte „Trotzphase“, bei der es aber eigentlich auch nur um ein Autonomiebedürfnis geht, nicht darum die Eltern auf ihre Nervenprobe zu stellen, wie es oft vermittelt wird.

Wann kann ich Autonomie gewähren?

Wenn man es also mal ganz nüchtern betrachtet, ist es ein enormer Entwicklungsschritt, den die kleinen hier machen und man sollte sich darüber freuen. „Ja, endlich will er sich selber die Schuhe anziehen… selber den Popo abwischen… selber das Marmeladenglas aus dem Kühlschrank holen…“. Wenn da nicht unser erwachsenen Zeitplan wäre und wir aber gerade jetzt keine Zeit haben zu warten, bis die Schuhe selber angezogen sind. Oder wir nicht schon wieder Marmelade vom Boden wischen möchten usw. usf. Das kann dann schon mal in großen Protest und Unmut auf beiden Seiten enden. Dabei ist diese Entwicklung enorm wichtig für unsere Kinder. Denn wir wollen ja, dass sie sich selber anziehen und selbständiger werden und daher müssen wir sie natürlich auch üben lassen. Wie sollen sie sonst lernen ihre Zähne zu putzen und die Hände zu waschen ohne das ganze Bad unter Wasser zu setzen? Während dieser Phase erweitert sich das Repertoire an Tätigkeiten, die „selber“ gemacht werden müssen, täglich. Da muss ich als Mama schon immer mal wieder einen Moment innehalten und überlegen „ist das etwas, das ich ihn ruhig ausprobieren lassen kann oder nicht?“ Denn alleine an die Straße rennen geht eben noch nicht und der Protest muss geduldet werden. Doch als mein Sohn darauf bestand sich sein Essen selber aufzutun, musste ich nicht lange überlegen und habe ihn einfach machen lassen. Da wir draußen vor dem Wohnwagen gegessen haben, war das Risiko auch sehr überschaubar. Und bei den Dingen die ich ihn einfach noch nicht machen lassen kann, weil ich sie als zu gefährlich einschätze sage ich auch nicht einfach „Nein!“, sondern ich erkläre es ihm und mache es dann mit ihm gemeinsam. Oft kann er sich auf diesen Kompromiss einlassen, manchmal eben auch nicht. Das ist dann so.

Die Kassenfalle im Supermarkt

Das berühmteste Beispiel für diese „ich kann alles Phase und weiß genau was ich will und was ich nicht will“ ist wohl die Situation an der Kasse des Supermarktes. Ich muss gestehen, dass wir hier (noch!) nie ein Problem mit unseren beiden hatten, da wir noch ganz gut um Süßigkeiten rumkommen und eigentlich so gut wie nie welche kaufen. Haben die Kleinen aber einmal raus, was es damit auf sich hat, erkennt man schnell, wie süchtig Zucker macht! Da kann es dann also zu der gefürchteten Situation kommen, dass sich das Kind unter lautem Geschrei diese Süßigkeit wünscht, die Mama aus gesundheitlichen Gründen, die das Kind noch nicht verstehen kann, abgelehnt hat. Was machen? Mein Rat wäre die Situation so hinzunehmen wie sie ist. Dem Kind eine Erklärung geben und akzeptieren, dass es über diese todunglücklich ist. Vielleicht kann man schon im Vorfeld mit dem Kind etwas in den Wagen legen, dass es gerne isst und die gesundheitlichen Aspekte von Mama erfüllt. Oder man verzichtet einfach von Anfang an darauf bestimmte Lebensmittel (wenigstens im Beisein des Kleinen) zu kaufen. Denn, was sie nicht kennen, vermissen sie auch nicht. Sie werden erst nach Schokolade verlangen, wenn sie welche zu essen bekommen. Und man ist nun wirklich keine schlechte Mutter, wenn man diesem offensichtlich riesen großen Wunsch nicht nachkommt. Denn hier verhält es sich anders als bei echten Bedürfnissen. Echte Bedürfnisse wie Nähe, Geborgenheit, Liebe und Zuneigung dürfen und sollten immer unmittelbar und reichlich erfüllt werden. Hier besteht keine Gefahr der „Verwöhnung“. Bei Wünschen müssen wir jedoch nicht immer reagieren. Hier ist es ganz im Gegenteil wichtig zu eruieren, ob man diesem Verlangen wirklich nachgeben möchte. Diese beiden Dinge immer im Auge zu behalten und nicht zu verwechseln ist sehr wichtig. Denn die Erfüllung eines Wunsches kann niemals als Ersatz zur Erfüllung eines Bedürfnisses dienen. Also der Teddy kann nicht die körperliche Wärme und das Nähebedürfnis eines Kindes stillen.

Mit Humor durch die Autonomiephase

Nehmt diese Zeit gelassen und mit viel Humor, dann kommt sie euch auch nicht mehr so anstrengend vor. Fragt euch immer, wenn ihr kurz vor einem Vulkanausbruch seid, weil das große Glas, aus dem euer Kleines unbedingt wie die Erwachsenen trinken möchte heute schon zum fünften Mal umgekippt und jetzt auch noch eure Zeitung erwischt hat „Was ist eigentlich so schlimm daran? Ist doch nur Wasser (und daher empfehle ich für diese Experimente wirklich immer nur Wasser und kein Saft o.ä. zu verwenden)!“. Wenn ihr dann noch zweimal tief durchgeatmet und in das lächelnde Gesicht eures Kindes geschaut habt, könnt ihr den Vulkanausbruch vielleicht doch noch verhindern. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, wenn eurem Kind ein Missgeschick passiert ist, von dem es weiß, dass es euch nicht gefallen wird, interpretiert sein Lächeln nicht als „Auslachen“. Denn Kinder wollen uns Großen immer gefallen. Das heißt, wenn sie merken, dass sie etwas angestellt haben, was Mama gar nicht gefällt, versuchen sie sich mit einem Lächeln wieder beliebt zu machen. Fühlt euch also nicht provoziert, sondern erkennt es als einen kleinen Entschuldigungsversuch.

Steigt positiv in die Autonomiephase ein

Zusammenfassend kann ich euch nur empfehlen, freut euch über die Eigenständigkeit eurer Kinder, auch wenn sie noch nicht alles 100% hinbekommen, es manchmal gefühlte Jahre dauert, bis sie mit etwas fertig werden und euch in die ein oder andere unangenehme Situation bringen werden. Mal ehrlich, so wird es jeden Falls nie langweilig! Und wenn man wie wir zwei so Zwerge gleichzeitig durch so eine Phase begleitet, können wir behaupten, wir wissen wie lang so ein Geduldsfaden sein muss und auch der ist bei uns manchmal nicht lang genug. Das gehört alles zum inklusive Paket „Einmal Kind, mit allem Drum und Dran“ dazu. Oder wie meine Oma sagen würde „Das haste bestellt, da musste durch!“ Also, warum ständig ärgern und aufregen, wenn es doch einfach zu einer normalen, kindlichen Entwicklung dazugehört.

Ein Beispiel aus der Praxis

In einer Situation habe ich meinen Mann bestaunt, wie er sehr ruhig auf die beiden Eier auf dem Teppich in unserem Vorzelt reagiert hat, die die beiden Jungs mit Hilfe von Löffeln zerschlagen haben. Er hat ihnen erklärt, dass sie doch bitte Bescheid sagen sollen, wenn sie Eier essen möchten und das wir ihnen dann bei der Zubereitung helfen, da dies keine Spielküche, sondern eine Erwachsenen-Küche sei. „Prima!“ habe ich gedacht, denn ich wäre wohl ein wenig entsetzter bei dem Fund gewesen. Doch als unser Großer nach mehrfacher Aufforderung, bitte nun wegzubleiben, damit Papa alles saubermachen kann, doch noch durch das Rührei durchlaufen musste, war auch mein Mann nicht mehr ganz so ruhig. Tja, so kann es gehen. Mal hat man Tage, da kann einen gar nichts aus der Ruhe bringen und an anderen Tagen bringt einen schon die klitzekleinste Kleinigkeit auf die Palme. Auch das gehört einfach mit dazu. Akzeptieren, Tag abhaken und es am nächsten Tag wieder besser machen.

Fehler eingestehen – Vorbild sein

Und wenn wir es als Eltern mal etwas verbocken und merken, dass wir hier einfach viel zu übertrieben reagiert haben, dann ruhig auch beim Kind entschuldigen und erklären, dass unser Verhalten so nicht in Ordnung war. Dann lernen die Kleinen auch noch, wie man mit Fehlern umgehen kann. Dies ist also in keinsten Falle eine Schwäche, sondern eine große Stärke, wenn man vor dem Kind eigene Fehler eingestehen und sich entschuldigen kann. Das macht uns als Eltern viel authentischer und zeigt dem Kind, dass man nicht perfekt ist und niemand perfekt sein muss. Was für eine Erleichterung für das Kind dies zu wissen, oder?

 

So, jetzt bleibt mir nichts Anderes mehr als euch ganz viel Spaß, Geduld und Humor für diese Zeit zu wünschen! Genießt sie und lasst euer Kind sich so viel erproben und entfalten, wie ihr könnt. Ihr werdet es 1000fach zurückbekommen!

Was war euer eindrücklichstes Erlebnis in dieser Zeit? Teilt eure lustigsten Geschichten aus der Autonomiephase eures Kindes und macht anderen Eltern Mut und Zuversicht! Es hilft immer, wenn man hört, wie andere mit bestimmten Phasen umgehen. Dann fühlt man sich nicht mehr so alleine mit dem ein oder anderen „Problem“.Eure-Anabel[templatera id=“5708″]

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