Mit HypnoBirthing zur natürlichen Geburt

Einige von euch wissen schon, dass ich mich selbst mit HypnoBirthing auf meine erste Geburt 2014 vorbereitet habe. Später habe ich dann die Ausbildung gemacht, da ich kombiniert mit meinem Psychologie-Studium unbedingt mit Schwangeren und deren Babys arbeiten wollte (prä- und postnatal, also während der Schwangerschaft und nach der Geburt). Näheres zu meinen persönlichen, positiven Erfahrungen mit dieser Methode könnt ihr hier nachlesen: „HypnoBirthing – der etwas andere Kurs zur Geburtsvorbereitung“ 

Hier soll es nun darum gehen, wie man HypnoBirthing nutzen kann, um sich auf eine natürliche Geburt vorzubereiten. Dabei gehe ich auf die wichtigsten Fragen ein, die immer wieder gestellt werden.

Die Philosophie des HypnoBirthing

HypnoBirthing ist eine Geburts-”Philosophie”, bei der der Grundsatz gilt, dass Geburt für jede Frau eine normale und natürliche Tätigkeit ist. Gleichzeitig ist es eine Geburtstechnik bzw. -methode. Sie bietet mit all ihren Techniken einen Methodenkoffer, den das Paar mit zu seiner Geburt nehmen kann. Dort können sie dann entscheiden, was sie aus ihrem Repertoire verwenden möchten und was nicht. Erfahrungsgemäß sucht sich jede Frau die für sie passende Techniken raus. Manchmal ist es nur ganz wenig, was man tatsächlich während der Geburt anwenden muss. Allein die innere Einstellung und das Wissen, dass man noch genügend Handlungsspielraum hat, gibt unglaublich viel Sicherheit und Vertrauen.

In HypnoBirthing wird davon ausgegangen und vermittelt, dass der Körper genau weiß was zu tun ist, um die Entwicklung des Babys zu fördern und genauso weiß, wie er dieses gebären muss. Dabei wird keine Schmerzfreiheit versprochen, aber die Möglichkeit dargestellt. Und ich weiß, dass viele nachdem sie das Buch gelesen haben, genau das erwarten. Schmerzfreiheit sollte nie das übergeordnete Ziel sein, da ansonsten der Druck während der Geburt hoch sein kann. Wenn dann doch Empfindungen auftreten, kann es schnell zur Enttäuschung oder Versagensgefühlen kommen, die hier nicht hingehören. Denn eine HypnoBirthing-Geburt muss keineswegs empfindungsfrei sein. Doch die Schmerzen können stark reduziert werden. Die Mama lernt sich während der Geburt zu entspannen und mit ihrem Körper und ihrem Kind zu arbeiten. Das verhindert zum einen Erschöpfung, weshalb HypnoBirthing-Mütter oft nach der Geburt noch ganz frisch aussehen. Und es verkürzt den Geburtsvorgang, was ebenfalls zu mehr Wohlgefühl führen kann.

Das gewünschte Ergebnis wäre eine befriedigende Geburtserfahrung für die ganze Familie. Und die ist tatsächlich auch möglich, wenn man keine absolute Schmerzfreiheit erlebt hat, das kann ich euch versprechen.

Wichtig ist noch die Einstellung von HypnoBirthing zur medizinischen Versorgung. Hier ist ganz klar, dass Geburt als ein gesunder Vorgang angesehen wird, der keine medizinische Angelegenheit ist. Natürlich wird hier immer von gesunden Schwangeren und gesunden Babys bei einer normalen Schwangerschaft gesprochen. Daher schließt HypnoBirthing auch den Einsatz von routinemäßigen oder unnötigen medizinischen Eingriffen aus.

Der Pionier der natürlichen Geburt

Vieles in HypnoBirthing begründet auf den Anfang des 20. Jahrhundert wirkenden Arztes Dr. Dick-Read. Seine Theorien zur natürlichen Geburt galten zu seiner Zeit als radikal und verrückt! Nach einigen Beobachtungen kam er nämlich zu dem Schluß, dass Geburt nicht schmerzhaft sein muss. In seinen Forschungen versuchte er herauszufinden, warum manche Frauen keine Schmerzen hatten und andere daran zu zerbrechen drohten. Für ihn war Geburt ein natürlicher Zustand, der, wenn er ungestört vonstatten gehen konnte, auch schmerzfrei sein konnte.

Er “entdeckte” dabei den Zusammenhang von Angst auf das Geburtsgeschehen. Und so beschrieb er das “Angst-Verspannungs-Schmerz-Syndrom”. Das bedeutet, dass Angst zu Verspannung führt und die dann die Schmerzen hervorruft. Eine Frau, die angstfrei gebären und sich voll entspannen kann, hat weniger bis keine Schmerzen während der Geburt.

Und somit stehen auch die Entspannungstechniken, die in Form von Selbsthypnose angewendet werden im Fokus von HypnoBirthing.

Für wen ist HypnoBirthing geeignet?

Die Frage lässt sich andersherum leichter beantworten. Für wen ist HypnoBirthing NICHT geeignet?

Wer keine Lust hat, etwas Zeit in seinem Alltag für Übungen zu integrieren, ist hier nicht richtig. Denn wie bei allem was wir uns neu beibringen oder tief einprägen wollen, geht es auch hier um Wiederholung: üben, üben, üben… Das schöne ist, dass sich die meisten Techniken gut im Alltag integrieren lassen. Die Atemtechniken habe ich sogar an der Bushaltestelle geübt.

Schwer traumatisierte Menschen sollten ebenfalls einen solchen Kurs nur besuchen, wenn sie therapeutisch gut abgedeckt sind. Die meisten HypnoBirthing-Kursleiter sind keine Therapeuten und können nicht einschätzen, wie sich eine Entspannungsübung auf eine traumatisierte Person auswirken kann. Gerade bei den Übungen mit geschlossenen Augen, wo es in die eigene Tiefe geht, kann ein Trigger für eben diese Personen sein.

Ansonsten fallen mir keine Gründe ein, warum ein solcher Kurs für eine Frau oder ein Paar ungeeignet sein sollte.

Auch Frauen, die sich alleine vorbereiten möchten, können die Techniken von HypnoBirthing nutzen. Es kann auch jemand anders als der Partner als Geburtsbegleiter (oder Begleiterin) teilnehmen. Und Frauen, die glauben, dass Hypnose sowieso nicht bei ihnen wirkt und sie das gar nicht können, sind erst recht angesprochen. Denn mit etwas Übung und nach der ersten Hürde wird es ihnen leichter fallen sich darauf einlassen und vor allem loslassen zu können. Und das sind absolut die Qualitäten, die ohnehin für die Geburt wichtig sind. Hier wird sich vielleicht die ein oder andere Mama wiederfinden, die von sich sagt, dass sie eher ein “Kopfmensch” sei und nicht gerne die Kontrolle abgibt.

Manchmal ist es der Partner, der etwas skeptisch ist. Doch wenn er selbst erleben konnte, wie wohltuend die Übungen sind und das ganze dann noch theoretisch begründet wird, können auch sie sich gut darauf einlassen.

Ab wann kann man HypnoBirthing anwenden?

HypnoBirthing kann schon früh gestartet werden. Es sollte auf jeden Fall genügend Zeit sein, die gelernten Techniken auch üben zu können. Das gestaltet jede KursleiterIn individuell. Für mich ist der Start ab der 12 SSW, bis zur ca. 32. SSW sinnvoll. Aber auch ich finde es angenehmer, wenn genügend Platz nach hinten zum üben. Für viele ist die 21. SSW ganz angenehm, da das Baby dann auch für den Vater sichtbar und fühlbar wird.

1 Kommentar zu „Mit HypnoBirthing zur natürlichen Geburt“

  1. Pingback: 014 „Nestgezwitscher“ über HypnoBirthing | Bindung von Anfang an | Der Podcast für Schwangerschaft, Geburt, Babyzeit und Pränatalpsychologie

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