Ja, ich stille noch!

Eine Frage, die viele Mütter beantworten müssen, deren Babys über das erste Jahr hinaus gestillt werden. Bei mir stellten die ersten die Frage schon nach dem dritten Lebensmonat meines ersten Sohnes. Da hieß es dann vor allem von der älteren Generation „Na, aber nach 4 Monaten reicht es doch dann, sonst wirst du noch ganz geschwächt, da das Kind dich so aussaugt“. Mit vernünftigen Erklärungen ist diesem Aberglauben leider in den meisten Fällen kaum beizukommen…

Bin ich von einer anderen Welt?

Manchmal kam ich mir wie ein Alien vor, als wäre ich die einzige Mutter, die noch über das erste Jahr hinaus ihrem Kind Muttermilch schenkt. Berichte von anderen Müttern halfen mir meine Unsicherheit zu überwinden. Wenn man immer nur von allen Seiten hört, dass es seltsam oder gar falsch ist was man tut, ist es manchmal schwer standhaft zu sein und auf die innere Stimme zu hören, die eigentlich findet, dass alles in bester Ordnung ist.

Der Intuition vertrauen

Das ist etwas, dass ich gleich zu Beginn meiner Mutterschaft lernen musste: auf die eigene Intuition zu hören, ganz egal was die Umwelt davon hält. Und das betrifft sehr viel mehr Themen rund ums Baby, als das Stillen. Das Thema Stillen scheint für alle Beteiligten sehr essentiell zu sein. So können oft die, die es selbst ganz anders erlebt haben, da ihre Mutter sie nicht gestillt hat, weil man dies zu der Zeit nun mal nicht tat, es schier kaum aushalten, wenn sie sehen, wie lange und innig diese Verbindung der Mutter mit ihrem Kind eigentlich möglich ist.

Die Sache mit “… hat mir auch nicht geschadet!”

Ich hatte schon oft den Eindruck bei diesem Thema alte Wunden von Müttern, aber auch Vätern aufzureißen. Man hört dann oft so Kommentare wie „ich wurde nicht gestillt und aus mir ist auch etwas geworden“. Diesen Satz in abgewandelter Form bekommt man zu den verschiedensten Themen unter die Nase gerieben. „Dieses oder Jenes braucht dein Kind nicht, wir hatten das damals auch nicht und aus uns ist auch etwas geworden“.

Dabei klingt es immer wieder, als könnte man mit dieser Aussage verpasste Chancen rechtfertigen, denn Erwachsen wird man ja so oder so.

Aber wenn ich doch die Wahl habe und meinem Kind meine ganze Liebe schenken möchte und kann, warum soll ich ihm dann etwas so natürliches wie meine Muttermilch vorenthalten?

Zumal so viele Studien zu dem Thema den Zusammenhang von Stillen zu verschiedenen Outcoms wie das Brustkrebsrisiko der Frau oder die Intelligenz gestillter Kinder zeigen konnten, wobei sich dieses positiv auf diese Werte auswirkte. Darüber hinaus steigern sich diese positiven Werte über die Dauer der Stilldauer! Darum sollte ich nicht da sitzen und überlegen was ich nun wieder sage, wenn die Frage aufkommt „und, wie lange willst du noch stillen?“ Die Kinder wissen doch selbst am besten, was sie für eine gute und gesunde Entwicklung benötigen. Sie wissen auch wann der richtige Zeitpunkt für “feste Nahrung” ist (Ich sage bewusst nicht “Brei”, denn Breifüttern war gestern!)

Die Kinder selber wissen es am besten!

Warum versuchen so viele Menschen ihnen immer wieder diese Kompetenz abzusprechen? Es könnte die Angst vor Nähe sein, die viele bei der Vorstellung haben ein so inniges Verhältnis zuzulassen. Daher richten sie von vornherein eine Mauer um sich auf und sagen sich „lieber nicht zu lange stillen, sonst gefällt es dem Baby noch zu gut und es will gar nicht mehr aufhören“.

Diese starke und bedingungslose Liebe einfach in vollen Händen schenken zu können und die eigene Verletzlichkeit dabei zu überwinden, ist es was viele Eltern zu bewältigen haben. Natürlich macht es Angst jemanden so sehr zu lieben und so eine intime Beziehung einzugehen. Dadurch öffnen wir uns der ganzen Welt und sind so verletzlich wie niemals zuvor in unserem Leben. Alles liegt uns an diesem winzigen Wesen, jeder Schmerz den es empfindet, ist auch unser Schmerz. Und das ist nur eine der Herausforderungen die eine Elternschaft mit sich bringt. Darum lautet meine einfache Antwort auf die immer wieder aufkommende Frage, „ja, ich stille noch!“ („und nein, niemand zwingt mich dazu“).

Kennt ihr diese Frage und wie habt ihr darauf reagiert? Das würde mich (und bestimmt noch viele andere) sehr interessieren. Hinterlasst bitte hier oder auf Facebook ein Kommentar und schreibt mir, wie euch der Artikel gefallen hat!

In diesem Sinne, vertraut auf eure Intuition und genießt eure Zeit zu Zweit, Dritt, Viert…Eure-Anabel[templatera id=”5708″]

2 Kommentare zu „Ja, ich stille noch!“

  1. Pingback: Muttermilch – „das flüssige Gold“ | Nestkinder.de

  2. Pingback: Schiebst du noch oder trägst du schon? | Nestkinder.de

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