Mit viel Liebe durch den “Gegenteil-Tag”

Viele Eltern kennen ihn, den “Gegenteil-Tag”. Ein beliebter Tag unserer beiden 3 und 4 jährigen Jungs, die damit so manches mal an unserem Geduldsfaden zupfen und schauen, wie stabil er ist. Was das genau sein soll und wie wir diese Tage meistern, erfahrt ihr heute mit meinen ganz persönlichen “Beziehungserfahrungen”.

Was passiert am “Gegenteil-Tag”?

Das lässt sich leicht erklären. An einem “Gegenteil-Tag” machen die Kinder einfach immer das Gegenteil von dem, was man ihnen sagt. Aus gegebenen Anlass habe ich spontan auch einige praktische Beispiele dazu. Sagt man also so etwas wie “du siehst so müde aus, am besten legen wir uns gleich mal für einen Mittagsschlaf hin” erhält man quasi schon mit geschlossenen Augen noch die Antwort “nein, ich will spielen gehen”. Oder auf “Mittagessen ist fertig!” sagt das wirklich sehr hungrige Kind trotzdem “ich habe keinen Hunger”. Also haben mein Mann und ich das ganze Spiel mal auf die Probe gestellt und siehe da. Auf “okay, es gibt auch gar nichts zu Essen” folgte plötzlich “ich will aber essen”. Und “du darfst keinen Mittagsschlaf machen” führte zu einem augenscheinlichen Protest-Schlaf.

Alles im Doppelpack

Wir haben in den letzten Tagen eine Phase mit zahlreichen Beispielen dieser Art. Daher haben wir diese Tage “Umgekehrt-Tage” getauft. In manchen Fällen sind sie amüsant, in anderen wieder sehr herausfordernd. Unsere beiden sind sich nämlich so nah, dass sie solche Spielchen natürlich im Doppelpack perfektioniert haben. Daher kann ich wirklich mit jeder Zwillingsmutter sehr gut mitfühlen. Entwicklungsschübe, Ausprobier-Phasen, alles Mal zwei und natürlich meistens gleichzeitig. Für uns ist es, wie bei den Zwillingseltern, sehr gewohnt. Wir kennen es nicht anders. Unser Großer kam mit 9 Monaten zu uns aus einer Bereitschafts-Pflegefamilie und zwei Monate später kam unser Sohn zur Welt. Zweimal promtes Reagieren auf die Bedürfnisse der Babys, zweimal volle Windeln, beide im Winter für draußen anziehen usw. usf.

Was verbirgt sich dahinter?

Jetzt könnten wir verzweifeln und einfach morgens im Bett liegen bleiben, da wir wissen, was uns erwartet. Doch für uns gehören diese Tage zur Entwicklung der beiden dazu. Sie dehnen ihre Grenzen aus, machen dadurch neue Erfahrungen und erleben, dass die Beziehung zu uns stabil bleibt, egal, was passiert.

Wir werden dadurch natürlich auch auf das ein oder andere Thema hingewiesen, dass uns betrifft. In diesem Falle war es vor allem Klarheit. Die Sicherheit zu erfahren, was wir sagen, meinen wir auch. Unser Wort gilt. Damit meine ich nicht blinden Gehorsam uns gegenüber, sondern, dass wir als Erwachsene verlässlich sind. Verlässlichkeit bietet wiederum Sicherheit. Wenn man als Erwachsener mal so und dann genau anders sagt, dann kann das schon mal zu Verunsicherung führen. Und das mögen Kinder meist nicht. Das bedeutet, dass wir uns selbst ernst nehmen müssen und gut darauf achten, was wir als Vorgaben oder ähnlichem machen.

Ein persönliches Beispiel

Unser Kleiner liebt den Waldkindergarten. Seit neustem hat er eine Phase in der er öfter sagt, dass er Zuhause bleiben möchte und dann aber doch in den Kindergarten geht. Erst waren wir etwas verunsichert, wie wir uns “richtig” verhalten sollen. Ihn schreiend am Tor zurück lassen ist nicht das, was wir uns als gut gelungen vorstellen. Er soll schließlich Spaß im Kindergarten haben und sich nicht abgeschoben fühlen. Also vereinbarten wir einen Pausentag, da es im Winter wirklich anstrengend sein kann in der vollen Montur den ganzen Vormittag draußen zu sein. Zumal sie erst seit diesem Jahr dort hingehen. Als unser Sohn dann an besagten Pausentag spontan den Wunsch äußerte doch mit in den Kindergarten zu gehen, dachte ich, eine Ausnahme würde nicht schaden. Swen fuhr die beiden und musste eine Weile dort bleiben. Denn in der Zwischenzeit hatte sich unser Sohn abermals umentschieden und wollte nun doch nicht mehr bleiben. Am Ende blieb er und hatte auch einen schönen Tag. Doch für uns war klar, dass wir mehr Klarheit in dem was wir tun und sagen brauchen. Wir müssen noch besser abspüren, wann ein echtes Bedürfnis besteht und wann eben manchmal auch nur ein bisschen getestet wird. In jeder dieser Phasen lernt man als Eltern dazu. Es gibt keine allgemeingültige Formel was “richtig”ist und wie man sich zu verhalten hat. Dafür ist jedes Kind viel zu unterschiedlich. Man muss sich auf jedes Kind richtig einlassen können.

Fazit

Wenn ich einen allgemeingültigen Tipp für herausfordernde Zeiten geben müsste, würde ich sagen, dass es wichtig ist, niemals die Gesamtsituation aus den Augen zu verlieren. Ich lag z.B. in diesen Tagen mit einem Magen-Darm-Virus im Bett, was natürlich das ganze Familiensystem beeinflusst hat. Manchmal lohnt es sich den Fokus vom Kind zu nehmen und nach innen, zu sich selbst zu richten. Was ist los bei mir? Könnte es im Zusammenhang mit dem Verhalten meines Kindes zu tun haben? Gab es außergewöhnliche Situationen (wie ein Geburtstagswochenende mit drei Feiern hintereinander, wie bei uns)? Ist etwas im Umfeld von meinem Kind vorgefallen von dem ich noch nichts weiß und womit es sich innerlich beschäftigt?

Manchmal kann man hier schon seine Antwort finden. Und wenn nicht: alles ist nur eine Phase. Die guten, wie die schlechten. In jedem Fall lernen die Kinder etwas dazu und man erkennt danach, dass sie sich in irgendeiner Form weiter entwickelt haben.

Ich wünsche euch ganz viel Liebe und Humor für eure “Gegenteil-Tage”!

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