Zwischen Himmel und Erde: Geburt und Tod

Es ist nicht üblich Gedanken zum Tod zuzulassen, gerade in der Schwangerschaft. Dieses Tabu möchte ich hier heute brechen. Denn der Tod gehört genauso zu unserem Leben wie die Geburt. Beides sind die wichtigsten Übergangsphasen in unserem Leben. Und beide sollten in Würde und nicht in Angst vonstatten gehen.

Ich wurde aktuell in dieser Woche wieder von einer Mutter angeregt mir diesen Zusammenhang klar zu machen. Es ist nämlich gar nicht so selten, dass uns der Tod auch in der Schwangerschaft begegnet. Ein Familienmitglied, das sich verabschiedet, vielleicht sogar ein eigener Elternteil. Es ist, als würde eine Seele gehen, damit eine neue kommen kann. Und trotzdem sind wir über diese Zusammenhänge meist sehr bestürzt und wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen.

Die Ausblendung des Todes

Der Tod ist in unserer heutigen Gesellschaft etwas sehr Schreck-behaftetes, ein Tabuthema. Und wie es mit den meisten Tabuthemen ist, macht ihre Ausblendung nur noch mehr Verunsicherung und Angst, als wenn man über sie sprechen würde. Darum sprechen wir heute darüber.

Denn eins ist sicher: Geburt und Tod gehört wohl zu den einzigen Lebenserfahrungen, die wir Menschen weltweit mit so ziemlich allem was auf unserem schönen Planeten lebt teilen. Absolut ALLES auf unserer Erde entsteht und vergeht irgendwann. Wobei vergeht doch wieder so abschließend klingt. Dabei wissen wir, dass sich das meiste nur in seiner Form verändert, die alte Form verlässt, um eine neue einzunehmen. Und das geschieht ständig und andauernd um uns herum. Dafür muss ich nur mal einen Blick in unseren Kompost werfen. Es ist also schlicht so, dass sich dieser “Veränderungsprozess” niemals ganz ausblenden lässt. Immerhin beruhen alle unsere Ängste genau auf dieser einen Angst: zu sterben. Darum machen wir uns sorgen wegen Krankheiten, langen Autofahrten, Fliegen, Reiten und vielem mehr.

Doch umso mehr wir versuchen NICHT daran zu denken, dass unser Leben in DIESER Form irgendwann beendet ist, desto größer und unheimlicher wird der Tod. Würden wir ihn in das ein oder andere Gespräch mit einbringen, Meinungen von anderen dazu hören, Gedanken darüber zulassen, könnten wir vielleicht einen gar nicht so unangenehmen Umgang mit ihm finden. Und damit meine ich nicht respektlos gegenüber Trauererfahrungen oder ähnlichem zu sein. Sondern Gespräche, die uns zum Nachdenken anregen. Denn ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen ihr Leben anders gestalten würden, wenn sie sich tiefgehender mit der Wertigkeit dieses Lebens bewusst werden würden. Sie würden sich vielleicht eher eine Arbeit suchen die sie erfüllt, auch wenn die Hürde dafür erst mal groß scheint. Was habe ich am Ende des Lebens davon, wenn ich einen Konzern/eine Firma o.ä. reich gemacht habe und alleine in meinem Bett bereue, was ich alles verpasst habe, weil ich dachte, ich hätte noch genug Zeit dafür.

Das viele Frauen ihren Kinderwunsch auf “später” verlegen, nachdem sie die Ausbildung; das Studium und die erste Arbeitszeit absolviert haben ist ebenfalls Ausdruck dieser Ausblendung. Im Hier und Jetzt zu leben, fällt uns unglaublich schwer. Es gibt heutzutage auch wirklich unzählige Arten um Zerstreuung zu finden. Wenn dann der Gedanke zum Tod auftaucht erscheint er natürlich sehr bedrohlich. Denn man hat ja noch nicht begonnen das zu leben, was man liebt. Man hat noch so viel vor und braucht noch so viel Zeit. Das ist verständlich. Nichts ist heute wertvoller und kostet so viel wie Zeit.

Doch der Prozess lässt sich nicht aufhalten. Im Grunde ist unser Leben wie eine sehr lange Schwangerschaft: wir wachsen, wir lernen, lieben, werden geliebt und irgendwann sind wir bereit und keiner weiß genau wann, um den nächsten Schritt zu gehen. Um den Übergang in eine andere Form zu wagen. Was das auch immer für jeden Einzelnen bedeuten mag.

Geburt und Tod: zwei Parallelen in unserem Leben

Es gibt durchaus einige Merkmale, die bei Geburt und Tod vergleichbar sind. Wenn man das ganze als einen Kreislauf betrachtet, was durch den Ring der Ewigkeit symbolisiert wird, dann kann man sich unsere Existenz ungefähr so vorstellen:

von wo auch immer unsere Seele zuvor gekommen sein mag, hat sie die Reise in die menschliche Welt durch unsere Mütter gewagt. Sie verließ die erste “Welt” und schlüpfte irgendwie in diesen Körper, diese Zellen, die in unserer Mutter ein Baby entstehen ließen. Dies ist schon wie eine erste Geburt. Dann ist sie 40 Wochen in ihrem nächsten Zuhause, der Gebärmutter und nimmt immer mehr an Form an, bis die Geburt ansteht. Wieder ein bedeutender Übergang. Sie verlässt ihre Welt und kommt als Menschenkind auf diese. Sie lebt, wächst und gedeiht und setzt sich aus der Summe all ihrer Erfahrungen zusammen, bis es Zeit wird, diesen Körper wieder zu verlassen und überzugehen, wo auch immer das sein mag.

Für mich passt der Gedanke einfach nicht, dass nach dem Tod alles vorbei ist. Wo soll “es” denn hin? Mein Motto lautet: “Das Universum verliert nichts”. Nichts ist wirklich für immer ganz verschwunden. Die Materie wird zu Erde, daraus erwächst neues Leben! Und genauso wird es wohl mit Energie/der Seele oder welches Wort man dafür verwenden möchtest sein.

Vielleicht denken jetzt einige, das sagt sie nur, um sich Mut zuzusprechen und weniger Angst vor dem Tod zu haben. Und ihr habt Recht. Mit so einem “Weltbild” oder Blick auf das Leben, wird alles leichter. Ich vermute mal, das ist das, was viele Menschen in ihrer Religion finden. Antworten. Mit Antworten lässt es sich natürlich leichter leben. Klar, es kann niemand beweisbar sagen wohin die Reise geht, wenn wir sterben. Doch es ist doch sehr beruhigend, wenn man die Annahme hat, dass es nicht das Ende der Reise ist, sondern der Beginn eines neuen Abenteuers.

Und genauso wie wir nicht sicher wissen, wann die Reise der Schwangerschaft endet und sich das Baby auf den Weg in diese Welt macht, genauso wenig wissen wir, wann wir sterben und uns auf diese Reise machen werden. Und das ist etwas, was uns heute sehr beschäftigt.

Man hat heute das Gefühl alles kontrollieren zu können, nichts muss dem Zufall überlassen werden. Daher machen diese Übergangsphasen, die wir so schwer kontrollieren können und gleichzeitig so einschneidend für unser Leben sind oft Angst. Das Ungewisse macht uns Angst.

Als Mutter haben wir heute sogar (jedenfalls hier) die Wahl, ob wir die Geburt der Natur oder Medizin überlassen wollen. Ist die Angst zu überwältigend, bietet sich ein Termin im Kalender für den Wunschkaiserschnitt an, der Sicherheit vermitteln soll. Er ist der ersehnte Anker in all der Ungewissheit, was dieses Wunder mit unserem Leben machen wird. Doch das ist fernab jeder Realität zum Leben. So funktioniert das Leben nicht und auch nicht der Tod. Ich kann es nicht “bezwingen” und ihm vordiktieren, was es zu tun und zu lassen hat. Manche Kinder machen sich einfach vor dem Kreuz im Kalender auf den Weg. Und so gibt es zahlreiche Beispiele die zu dem Satz von John Lennon passen:

“Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen”

Die Begleitung von Geburt und Sterbeprozess

Es ist wohl nicht verwunderlich, dass auch die Anforderungen in der Begleitung dieser beiden sensiblen Phasen unseres Lebens so ähnlich sind. In beiden Momenten heißt es Loslassen. Loslassen um gebären zu können, loslassen um sterben zu können.

Festhalten führt zu einer Verlängerung des Prozesses und macht ihn evtl. auch schmerzhafter.

Die medizinische und menschliche Begleitung ist hier sehr relevant. Umso weniger Interventionen, desto leichter kann dieser natürliche Vorgang vonstatten gehen. Und wenn alle Menschen im Raum einer Gebärenden oder eines Sterbenden angsterfüllt dastehen und verunsichert sind, nicht wissen was sie tun sollen, dann stört das natürlich den Prozess. Die Gebärende oder der Sterbende übernimmt die Angst, die im Raum steht.

Was man braucht ist Ruhe, Zeit, Geborgenheit, Sicherheit. Ein lieber Mensch, der einem vermittelt, das alles in Ordnung ist, da ist und den Raum hält.

Also eine würdevolle Behandlung, sowohl für den magischen Prozess in dem neues Leben geschenkt wird, als auch, wenn diese Daseinsform verlassen wird.

Zum Schluss

Ich wünsche mir für jeden Menschen einen würdevollen, freudvollen Start in dieses Leben! Eine Geburt, die ein Fest und kein Forschungsobjekt ist. Es soll Liebe, Glück und Geborgenheit sein, überall da, wo Frauen sich ihrer schöpferischen Kraft gewahr werden und das tun, was nur Frauen können: Leben schenken.

Und genauso wünsche ich mir für jeden Menschen eine Sterbebegleitung, die wahrhaftig ist und die Angst vor dem Loslassen nimmt. Die den Wunsch des Sterbenden respektiert und ihm den letzten Moment in Glück, statt in Trauer erleben lässt.

Wer sich hierfür noch tiefgehender interessiert kann ich nur die Vorträge von Kristina Rumpel von FlowBirthing empfehlen (http://www.kristinarumpel.de/). Sie sieht den Zusammenhang von der Geburts- und Sterbekultur und hat mich mit ihrem Ansatz überzeugt.

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