Die haptonomische Schwangerschaftsbegleitung zum Bindungsaufbau

In unserer zweiten Schwangerschaft waren wir natürlich wieder weiter entwickelt, anders informiert und mit einem reichhaltigen Rucksack an Wissen gestartet. Trotzdem war der Reiz wieder da, auch in dieser Schwangerschaft etwas neues kennen zulernen. Mein Mann hatte auf einer Tagung einen Vortrag von Herrn Dr. Djalali aus Düsseldorf zur haptonomischen Schwangerschaftsbegleitung und über haptonomische Geburten gehört. Als er nach Hause kam, war er so davon begeistert, dass er sich wünschte, dass wir auch diesen Weg gehen. Ich hatte mal wieder keine Ahnung, was das eigentlich sein sollte, war aber bereit es auszuprobieren. Über meine Erfahrungen damit, möchte ich nun hier berichten.

Was ist Haptonomie?

Haptonomie ist die „Lehre der Berührung“ (Griechisch). Und dabei geht es nicht nur um die körperliche, sondern auch die emotionale Berührung. Es ist eine Methode oder viel mehr eine Philosophie, die der Niederländer Frans Veltman in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hat. Während der Schwangerschaft geht es darum, durch bestimmte Berührungen das Baby einzuladen. Diese Form der Vorbereitung endet dann in einer haptonomischen Geburt, in de die Mutter das Baby den ganzen Weg über begleitet und in Verbindung steht. Im Grunde geht es also genau um das: um Bindung von Anfang an! Sehr interessant bei der Haptonomie ist, dass sich dass, was dabei geschieht so schwer in Worte fassen lässt. Man muss einfach einmal selbst erlebt haben! Die Haptonomie wird auch therapeutisch bei Erwachsenen angewendet. Doch in ihrer eigentlichen Form ist sie die Kunst der Berührung des Babys im Mutterleib, um mit diesem Kontakt aufzunehmen.

Welche Unterschiede ergeben sich aus der Haptonomie?

Als wir uns dann um die 21. SSW aufmachten, um den Weg der Haptonomie zu beschreiten, mussten wir einige Kilometer hinter uns bringen, da wir natürlich zu dem Haptonomie-Experten in Deutschland wollten: Dr. Djalali. Die Jungs blieben bei den Omas und wir waren den ganzen Tag unterwegs, um in Düsseldorf in die Kunst der Berührung eingeführt zu werden. Es stellte sich schnell heraus, dass wir nun einiges ein wenig anders machen würden als gewohnt. Während der gesamten Schwangerschaft übte ich den Kontakt zu meinem Baby in jeder Minute zu einem gewissen Teil aufrecht zu erhalten. Dafür lag zu (fast!) jeder Zeit eine Hand auf meinem Bauch, bei meinem Baby. Eigentlich ließ ich damit nur zu, was ich intuitiv sowieso am liebsten gemacht hätte. Denn, so die Theorie, wenn man die 9 Monate nutzt, um in einem guten Kontakt zu seinem Baby zu sein, egal welche Einflüsse von Außen kommen, dann gelingt dies in einer besonderen Situation wie die Geburt um so leichter. Dieser Ansatz entspricht genau unserem Arbeitseinsatz und war für uns daher selbstverständlich.

Das Baby „einzuladen“ war ein sehr neuer Aspekt in der Kommunikation mit dem Baby. Dafür wird vom Mann die Gebärmutter sanft in die Hände genommen und Mutter und Baby „geschaukelt“. Das Baby wird dann eingeladen, in die eine oder in die andere Hand zu kommen. Und tatsächlich: es erfordert etwas Übung, doch wenn es klappt, dann kuschelt sich das Baby in Papas Bauch. Und das ist natürlich wunderschön.

Da das Baby später, wenn der Bauch größer wird, auch schon nach innen eingeladen werden kann, kommt es gar nicht mehr zu einem Watschelgang und das Laufen oder die Alltagsarbeiten bleiben den Umständen entsprechend „mühelos“. Das Hohlkreuz wird durch die wohltuenden Berührungsübungen korrigiert und tritt durch den guten Kontakt zum Baby ohnehin nicht so stark auf, da man sein Baby ganz dicht zu sich holt.

Am überraschensten war für mich der Ansatz, wie die Geburt von statten gehen sollte. Wichtig war hier nur, dass, um den Kontakt aufrecht zu halten, immer eine Hand auf dem Bauch, oben auf dem Popo des Babys liegen sollte, um es in seinem Weg nach unten zu unterstützen (kein Schieben oder drücken, nur da sein!). Und wer jetzt denkt: „ja klar, als ob man alleine durch die Berührung wirklich in Kontakt ist….“ hat völlig Recht. Natürlich kann eine Berührung immer auch leer und unverbunden sein. Nichts sagend, nichts gebend. Doch genau darum geht es ja in der Haptonomie: jede Berührung ist sozusagen „beseelt“. Man ist durch sie in echten Kontakt und hat echtes Interesse an dem Befinden des anderen. Und genau das kann eine Herausforderung sein (vor allem im Alltag) und kann geübt werden. Praktisch hieß das, dass einige Geburtspositionen, wie z.B. das Hängen an dem Tuch nicht in Frage kamen. Und gegen der Empfehlungen und Erfahrungen der Hebammen, war es durchaus erlaubt, dass Baby im Liegen zu gebären. Tatsächlich ist dies die häufigste Gebärposition bei haptonomischen Geburten. Da man die gesamte Schwangerschaft über in dieser Position die gemeinsamen Übungen macht, ist sie also sehr gewohnt.

Der Ablauf der haptonomischen Schwangerschaftsbegleitung

Insgesamt braucht es ca. 8 Sitzungen a 1,5 Stunden. Am Anfang gingen wir alle drei Wochen, später in kürzeren Abständen zu Dr. Djalali. Da er auch Gynäkologe ist, konnte ich immer direkt auch alle meine sonstigen Fragestellungen klären und ging ansonsten noch zur Hebammen-Vorsorge, um alle Hebammen im Geburtshaus kennen zulernen. Eine organisatorische Herausforderung war, die Jungs jedes Mal für einen ganzen Tag unter zu haben. Zwischen den Terminen sollten wir eben so oft es ging (am besten täglich, doch das haben wir selten realisieren können) üben. Die Übung mit der Positionierung durch meinen Mann dann das Schaukeln und das Einladen, dauerte ungefähr 20 Minuten. Danach sollte ich in dieser entspannten Stimmung noch für eine halbe Stunde ruhen und in einen tiefen Kontakt zum Baby zu gehen.

Die meisten Übungen waren für während der Schwangerschaft oder für die erste Phase der Geburt. Später kamen noch ein paar „Techniken“ dazu, die wir auch während der Wellen hätten einsetzen können. Klar war aber, dass ich nichts von dem gelernten anwenden MUSS, um es RICHTIG zu machen. Solange ich gut mit den Wellen klar kam und in engen Kontakt mit dem Baby blieb, war alles so, wie es sein sollte. Es gibt nicht „DIE haptonomische Geburt“. Es gibt nur eure Geburt! Das war zum einen sehr schön zu wissen, zum anderen hätte ich mir manchmal gewünscht zu sehen, wie so eine „haptonomische Geburt“ abläuft. Swen hatte das Glück, bei dem Vortrag tatsächlich Videos davon gezeigt zu bekommen. Herr Djalali empfahl es mir jedoch nicht, da er so wenig Einflüsse wie möglich auf meine Intuition legen wollte. Das klang irgendwie plausibel und ich konnte mit der Ungewissheit gut leben. Und am Ende war es tatsächlich so, dass wir während der Geburt keine der geübten Techniken brauchten, da ich auch so gut zurecht kam.

Buchempfehlung zur Haptonomie

Wenn ich dich jetzt neugierig gemacht habe und du noch mehr dazu erfahren möchtest, kannst du natürlich bei Herrn Djalali auf der Homepage ein wenig nachlesen: https://haptonomie.homepage.t-online.de/

Es gibt tatsächlich auch ein sehr schönes Buch zu dem Thema (leider gibt es wirklich insgesamt nicht viel Literatur). Und zwar „Gestillte Sehnsucht – starke Kinder!: von der Haptonomie, Geschwistern, Nähe und dem Mut natürlich zu stillen, das Erfahrungsbuch und Nachschlagwerk“ (2009) von der Mutter und Autorin ChrisTine Müller-Mettnau. Hier berichten Eltern, die mit sich mit der Haptonomie auf ihre Geburt vorbereitet haben. Außerdem wird in einer wissenschaftlichen Arbeit die Vorteile und der positive Effekt auf die Geburt von Haptonomie dargestellt. Wer sich für das Thema interessiert, wird hier einiges nachlesen können. Eine absolute Empfehlung!

Ich hoffe, der Artikel hat euch einen Einblick in das Thema geben können. Falls ihr das hilfreich fandet, teilt ihn doch! Ihr könnt auch gerne Fragen stellen, wenn ihr mehr wissen möchtet.

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1 Kommentar zu „Die haptonomische Schwangerschaftsbegleitung zum Bindungsaufbau“

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