Die Angst vor dem Schmerz – eine alte Freundin sagt “Hallo”

Da ist sie wieder… diese unbestimmte Furcht, die sich einschleicht, sobald die Gewissheit da ist, das man schwanger ist. Natürlich ist da (in den meisten Fällen) zuerst Freude, Glück, ein unbeschreibliches Gefühl. Und dann dieses flaue Gefühl im Magen, das nicht unbedingt zu den Übelkeitserscheinungen gehört. Und doch, betrachtet man die Schwangerschaftsübelkeit als psychosomatischen Ausdruck, so passt sie ganz gut zu dem ein oder anderen Gedanken, der sich um die Geburt kreist.

Gerade nach einer schwierigen vorherigen Schwangerschaft und/oder Geburt ist dieses Gefühl vielleicht noch viel stärker. Wie eine alte Freundin, der man lieber nicht so oft über den Weg laufen möchte, steht sie plötzlich vor einem und sagt “Hallo, da bin ich wieder”. Man möchte weglaufen, schreien, vielleicht kommt das Gefühl hoch, das man es einfach nicht noch einmal schaffen kann. Nicht noch einmal diese unerträglichen Schmerzen; diese unangenehmen Blicke der Ärzte, sorgenvoll und ängstlich; die Nadeln, die Medikamente; das viele Liegen, die Angst um mein Baby. Es gibt viele Ängste, die eine erneute Schwangerschaft mit sich bringen kann. Neue, alte aus den gemachten Erfahrungen.

Die Angst vor den Schmerzen haben viele Frauen. Egal ob Erst-Schwangere oder Mehrfach-Mütter. Doch wie können wir ihr wieder begegnen? Und vor allem, wie “bezwingen”?

Was bedeutet für mich der Schmerz?

Wenn ich schon eine sehr schmerzvolle Geburt erlebt habe (meist sind diese sehr interventionsreich), dann bin ich befangen. Ich kann dem Geburtsschmerz nicht mehr offen und neugierig gegenübertreten. Vielleicht glaube ich auch nicht daran, das Geburt anders sein könnte und bezeichne Frauen, die von ihren schmerzfreien Geburten berichten als Lügnerinnen oder Hochstaplerinnen. Denn wie könnte es auch anders sein? Warum sollte nur ich so leiden müssen?

Zumal es in unsere Gesellschaft hoch angerechnet wird, wenn man “leidensfähig” ist. Wenn man was “aushalten” kann. Dafür gibt es Anerkennung. Umso anstrengender, desto mehr Lob und Bewunderung für das Erreichte. Hier stecken wieder so viele Glaubenssätze drin, die für eine schöne, sanfte Geburt leider nicht förderlich sind und enttarnt werden möchten.

Und wenn du nun wieder schwanger bist und vor lauter Angst nicht weißt, wie du eine weitere Geburt bewältigen kannst, dann ist es Zeit etwas zu ändern! Denn die Angst wird den Schmerz in jedem Falle zu einem realen Faktor machen. Nichts beeinflusst eine Geburt so negativ wie unaufgearbeitete Ängste. Sie sorgen dafür, dass die Mutter in Stress gerät und dementsprechende Hormone ausschüttet (die Katecholamine). Mit diesem wird ihr eine Entspannung unter der Geburt nicht gelingen. Entspannung ist jedoch notwendig, dass es zur Öffnung der Mutter kommt und sie ihr Kind gebären kann.

Das Angst-Verspannungs-Schmerz-Syndrom

Diese Negativspirale nennt man auch das Angst-Verspannungs-Schmerz-Syndrom. Aus der Angst entsteht Verspannung und die führt unweigerlich zu Schmerzen.

“Heißt das, wenn ich mich einfach nur entspanne, dann habe ich eine schmerzfreie Geburt?” Fragen sich jetzt vielleicht viele. Hierauf gibt es wohl keine allgemeingültige Antwort. Die allgemeinste Antwort ist wohl “vielleicht”. Aber die macht doch schon Mut, die macht Hoffnung! Denn in jedem Fall verringern sich die Schmerzen in einem entspannten Zustand! Der Körper ist nämlich so “schlau”, dass er in Entspannung während der Geburt Endorphine (Glückshormone) ausschüttet und die lindern Schmerzen, wie es kein künstliches Mittel könnte. Die Natur hat nicht vorgesehen, dass Geburten so schmerzhaft sind, dass man sie nur ein einziges Mal ertragen kann. Das entspricht nicht ihrem Plan, Leben in die Welt zu bringen.

Dieses Mal wird alles gut!

Mein Artikel “Guter Hoffnung sein – geht das überhaupt noch?” befasst sich ebenfalls mit diesem Thema. Der Wunsch nach einer schönen Schwangerschaft und noch schöneren Geburt sitzt tief in uns Frauen. Und gerade, wenn wir eine andere Erfahrung in diesen besonderen Zeiten gemacht haben, ist der Wunsch, “dass dieses Mal alles gut wird” umso größer. Es ist wichtig und gut, dass Frauen diese Hoffnung haben. Denn jede Geburt ist so einzigartig. Wir als Frau haben uns seit der letzten Schwangerschaft weiterentwickelt. Wichtig ist, die Dinge dieses Mal etwas anders anzugehen, wenn man sich ein anderes Ergebnis erhofft. Denn wie schon Einstein sagte:

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Was kann das in der praktischen Umsetzung bedeuten? Es heißt, trau dich raus aus deiner Komfortzone. Sei offen für neues, probiere neue Wege aus.

Die Geburt zwingt uns ohnehin aus unserem Komfortbereich. Sie bringt uns vielleicht auch an die ein oder andere Grenze, ermöglicht uns Wachstum in einer Weise, die unvergleichbar ist.

Nutze die Zeit, die dir die Natur einräumt hat, um dich vorzubereiten. Dich mental, seelisch, körperlich und auf allen Ebenen vorzubereiten, um deine Geburt mit allen Sinnen genießen zu können. Lass dir von deinen Ängsten den Weg zeigen, wo du noch Bedarf hast, doch lasse dich niemals von ihnen leiten! Schau hinter die Angst und lass dich nicht von ihr Lähmen. Denn was ist Geburt? Geburt ist nicht Schmerz! Geburt ist so viel mehr. Und umso mehr du hier findest, desto kleiner wird der Fokus für die Empfindungen, die schmerzhaft sein KÖNNEN (niemals MÜSSEN). Das Spotlight wird auf all die Wunder, die positiven Phasen von Geburt gerichtet, bis Schmerzen und die Angst vor ihnen ihre Macht verlieren.

Gestalte deine Geburt aus deiner inneren Kraft heraus und du wirst damit auch dein Erleben gestalten.

Auch ich kann nicht sagen, dass ich eine schmerzfreie Geburt hatte. Natürlich kamen meine Gedanken während meiner zweiten Schwangerschaft immer mal wieder an diesen Punkt. Ich dachte an die Rückenschmerzen, die mich total überrascht haben, die Wellen, die gleich mehrfach hintereinander angerollt kamen, ohne Pause. Doch ich dachte auch daran, wie ich es geschafft habe, auch ohne einen “Pausenknopf”. Ich dachte an all die berührenden, innigen Momente, an die wunderschöne Schwangerschaft, an das unglaubliche Gefühl, das Baby in den Armen zu halten.

Auch in der zweiten Schwangerschaft bereitete ich mich mit meinen Mann wieder intensiv auf die Geburt vor, als wäre es unsere erste. Dieses Mal probierten wir neue Wege aus, wie die Haptonomie (lies dazu den Artikel: „Die haptonomische Schwangerschaftsbegleitung zum Bindungsaufbau“) und Bindungsanalyse (auch dazu gibt es einen Artikel: „Meine Bindungsanalys und was sie bewirkt hat“). Dadurch gelang es meinen Ängsten nicht sich aufzubauen, groß zu werden und die Führung zu übernehmen. Ich fokussierte mich auf das, was ich mir wünschte und gestaltete so viel mit, wie es mir möglich war. Dieses Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit wirkt sich unglaublich auf die Geburt aus. Auch meine zweite Geburt war keineswegs schmerzfrei. Und trotzdem war es für mich die perfekte Geburt! Wie geht das? Es kommt darauf an, welche Bedeutung die Schmerzen bekommen. Ich habe bei jeder Welle mein Kind bestärkt, gesagt, dass es genau so weitermachen soll. Das dies der Weg ist. Ich habe ihm Mut zugesprochen, sich seinen Raum nehmen zu dürfen und das die Wellen ihm dabei helfen. Das mein Körper alles dafür tun wird, um es sicher durch den engen Weg zu führen.

“Jede Welle bringt mich meinem Kind näher!”

Das ist eine unglaublich starke Affirmation. Es bedeutet, ich nutze die Kraft der Welle zu meinem Vorteil. Ich lasse mich auf ihr ans Land tragen. Sie wird zu einer Freundin.

Dieses Bild zeigt auch schön, was passiert, wenn ich mich nicht auf die Welle einlassen kann. Wenn ich Angst vor ihr habe, wenn ich ihre volle Wucht zu spüren bekomme. Dann wird sie meine schlimmste Feindin, dann verschlingt sie mich und raubt mir die Luft zum atmen.

Jede Frau trägt diese Kraft, die Welle zu reiten tief in sich. Denn wenn eine Frau Leben in die Welt bringt, ist sie eine verdammte Göttin! Sie ist in dem Moment die Verbindung zu Himmel und Erde. Sie kann alles schaffen!

Verabschiede dich von deiner Angst!

Wenn du erkannt hast, was zu tun ist um in die Sicherheit und das Vertrauen zu kommen, dann kannst du dich getrost von Freundin Angst verabschieden. Hinterfrage ihren Besuch. Was will sie wirklich? War sie dir das letzte Mal dienlich?

Und dann startest du neu, in eine neue Schwangerschaft, eine neue Geburt und nimmst vor allem das mit, was dich stärkt und unterstützt. [/vc_column_text][templatera id=“5710″]

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