Der Kaiserschnitt als spezielle Geburtsform | TRAUMgeburt #011

Transkript:

Hallo und herzlich willkommen!

Schön, dass du wieder dabei bist in einer neuen Folge in meinem Podcast “TRAUMgeburt nach TRAUMAgeburt”, der Podcast “Wie du in der Folgeschwangerschaft wieder zu Vorfreude für die Geburt und weg von der Angst kommst”.

Du hast es bestimmt mitbekommen: jetzt im April habe ich eine Themenreihe gestartet, die lautet “Woher weiß ich, dass ich ein Geburtstrauma habe?”

Nun haben wir in der letzten Folge über die Symptome gesprochen und heute wird speziell der Kaiserschnitt als spezielle Geburtsform/Geburtsmodus thematisiert werden.
Also, ich wünsche dir viel Spaß dabei!

Der Kaiserschnitt ist ja für viele Fluch und Segen zugleich.

Es betrifft mittlerweile viele geborene Babys, viele gebärende Frauen. Denn der Kaiserschnitt ist hierzulande sehr beliebt.
In den Kliniken hier in unserer Region liegt die Rate (also in Hessen) bei ca bei 30% ungefähr der Geburten, ich weiß aber auch von Doula-Kolleginnen z.B. in Norddeutschland oder in Insel-Gebieten, dass da die Kaiserschnittrate sehr erhöht ist auf fast 60% oder mehr und ja es ist also sehr unterschiedlich und das hat verschiedene Faktoren: Die WHO, also die Weltgesundheitsorganisation, wenn man nach Ihrer Richtlinien gehen würde, dann wäre eine Kaiserschnittrate von zehn bis 12% aus medizinischer Sicht angebracht.
Viel höher sollte sie nicht liegen. Das bedeutet, dass die aller aller aller meisten Kaiserschnitte, die bei uns gemacht werden, sogenannte “primäre, vorsorgliche” Kaiserschnitte sind. Damit meine ich nicht, dass es ist ein geplanter Kaiserschnitt ist, das sind tatsächlich nicht, die die die Zahlen so hoch halten, sondern das sind Kaiserschnitte, die im Verlauf der Geburt gemacht werden und nicht notfallmässig vorgenommen werden., sondern vorsorglich. Und mit diesem “vorsorglich” da kommen eben dann auch wieder viele Probleme mit, weil dann häufig in der Nachbearbeitung die Frage ist “Hätte es nicht anders laufen können?” oder “Hätte man den Kaiserschnitt nicht verhindern können?” und das sind wiederum auch belastende Gedanken, die dann immer wieder kommen und an denen Frauen einfach dran zu knabbern haben.

Denn, wenn ein Kaiserschnitt wirklich aus einer medizinischen notwendig, absoluten Notwendigkeit heraus, um wirklich als lebensrettende Maßnahme eingesetzt wird, dann ist es total unverständlich – auch danach – das ist auch für die Frauen verständlich, für die Partner, dann kann die Verarbeitung ganz anders statt finden. Dann ist klar: Hier muss der Kaiserschnitt gemacht werden, weil ansonsten das Leben von Mutter oder Kind auf dem Spiel stand, aber soweit lassen es die Ärzte hierzulande jedenfalls gar nicht erst kommen!

Ängste

Häufig sind das Ängste, dass man zu spät handelt oder etwas vorgeworfen bekommen könnte. Aber auch andere Faktoren spielen mit rein. Der Kaiserschnitt ist mittlerweile auch ein wirtschaftlicher Faktor! Das muss man einfach so sehen. Auch Geburtsstationen müssen wirtschaftlich arbeiten und wenn ich eben ein OP-Team stelle und viele Maßnahmen vollziehe und viele Medikamente oder wie auch immer geben musst, dann kann ich natürlich auch mehr abrechnen und die Wirtschaftlichkeit ist sichergestellt. Man weiß auch, dass z.B. freitags die Kaiserschnittraten erhöht sind, was eben auch nicht dafür spricht, dass freitags die Geburten gefährlicher sind, sondern, dass da aus anderen Gründen entschieden wird.
z.B. auch wegen der Personalbelegung, dass man weiß “Oh, am Wochenende ist weniger Personal verfügbar und jetzt sind so viele Frauen da…” dann muss irgendwie gehandelt werden.
Ich habe auch schon häufiger den Verdacht gehört, dass auch ein Kaiserschnitt gemacht wurde, weil der OP eben gerade frei, der Anästhesist gerade da und alles bereit stand… und ja man sich dann dazu entschieden hat!

Individualität bei einem Kaiserschnitt

Das Schwierige ist, herauszufinden während einer Geburt, ob die gemachten Vorschläge oder Anweisungen von Seiten der Ärzte oder Hebammen wirklich auf mich als Frau zugeschnitten sind und individuell getroffen werden, oder, ob das allgemeine Richtlinien sind, die von der Klinik bestehen oder die für alle so gelten. Oder, weil man das halt immer so macht.. Und ja, da ist so ein bisschen die Schwierigkeit, weil man natürlich nicht jetzt vorher Medizin studieren kann, nur um in der Geburt dann fundiert entscheiden zu können.

Welche Mittel man nimmt oder auch ablehnt, was wie wirkt, was es für Nachwirkungen geben kann, oder Nebenwirkungen und so weiter und so fort.

Und ja, man sich ja darauf verlassen möchte, auf das geburtshilfliche Team.
In manchen Fällen ist es eben so, dass die Frauen sich dann nicht gut beraten gefühlt haben oder auch mit dem Kaiserschnitt überrumpelt gefühlt haben und nicht gut begleitet gefühlt haben.

Ein Kaiserschnitt per se ist kein Grund anzunehmen, dass man ein Geburtstrauma erlitten hat!

Weder für sich selber als Frau, noch für das Baby kann man das so pauschal sagen! Weil – wie ihr ja wisst, was ich immer gerne sage: “Was für den einen ein Trauma ist, ist für einen anderen ein schlechter Tag!”

Das hängt wirklich absolut mit dem individuellen Erleben, davon hängt es ab. Damit hängt es zusammen.

Also: wie die Frau den Kaiserschnitt erlebt hat, denn man kann einen Kaiserschnitt auch sehr bindungsorientiert gestalten, indem man Mutter und Kind darauf vorbereitet was jetzt passieren wird. Indem die Frau eine Vertrauensperson – auch während des Kaiserschnitts – an ihrer Seite hat, ob die Hebamme, am besten auch noch den Partner und einen feinfühligen Arzt, der sich vorstellt, das Team vorstellt.

Weil die Frauen kommen in den Raum, alle haben Masken und Schutzanzüge an, man kann niemanden erkennen und der Schritt für Schritt durch den Kaiserschnitt begleitet. Das kann alles Ängste nehmen und alles was Ängste nehmen kann, führt natürlich zu einem besseren Gefühl . Deswegen lässt sich das pauschal nicht sagen. Ganz klar: Es gibt aber natürlich Faktoren, die zu eben mehr Angst und dann auch so einem schlechteren Outcome führen, wenn man das so sagen möchte. Also, wenn schon die Begleitung unter der Geburt nicht hilfreich war das heißt, dass sich die Frauen entweder wirklich alleine gelassen gefühlt haben unter der Geburt oder eine Hebamme ohne Begleitung hatten, mit der Sie persönlich nicht zurecht gekommen sind, vielleicht auch verbale Gewalt erdulden mussten. In Form von unangebrachten Äußerungen während der Geburt. All das kann dazu führen, dass die Frau eben nicht in der Lage war, an diesem Geburtsort unter dieser unter diesen Bedingungen zu gebären und es dann durch eine Interventionskaskade dann am Ende im Kaiserschnitt landet. Dieser Kaiserschnitt, wenn die Vorbedingungen schon so schlecht waren, wahrscheinlich dann auch nicht sehr bindungsorientiert durchgeführt wurde.

Non-Kommunikation im Kreißsaal

Das heißt also: Jegliche Form von Non-Kommunikation, also wenn die Frau das Gefühl hatte, sie wurde gar nicht aufgeklärt, niemand hat mit ihr geredet, sondern eher noch im negativen Sinne, dass alles als harmlos, oder wie auch immer, abgetan oder dass der Arzt eher unpersönlich kalt, dass keine Hebamme mit im OP war, dass der Mann nicht mit rein durfte, beide Arme festgeschnallt waren, dass das Baby danach nicht auf die Brust gelegt wurde, … Das sind alles Faktoren, die zu einem schlechteren Gesamterlebnis führen und am Ende eben bei vielen Frauen – ich sage extra nur bei vielen und nicht beeilen – weil das sehr individuell ist zu einem traumatischen Erlebnis führen können, oder jedenfalls zu einer starken Belastung. Es muss auch nicht immer ein Trauma sei, es kann auch einfach emotional sehr belastend sein, oder eben dramatisch, wie es die liebe Anne Henle in ihrem Interview, was wir geführt haben, ausgedrückt hat.

Es kann dramatisch sein und trotzdem für manche bewältigbar und für andere schlecht bewältigbar.

Wenn du jetzt selber in deiner letzten Geburt so eine Erfahrung von Kaiserschnitt erlebt hast, kannst du da auch einfach noch mal hin spüren, oder hast du ja vielleicht auch schon gespürt, was das mit dir gemacht hat.

Also was passiert z.B., wenn du dich vor den Spiegel stellst und deine Narbe betrachtest? Vielleicht auf deine Narbe berührst?
Was kommt dann?
Was kommen vielleicht für Bilder?
Was kommen für Gedanken?
Was kommen für Gefühle? Die kannst du gerne aufschreiben und schauen, was das mit dir macht. Weil die Narbe, die Kaiserschnittnarbe natürlich wird dir unmittelbar immer als Erinnerung bleiben, an diese Bauchgeburt.

Wie gesagt, es kann beide Gefühle mit sich bringen: Es kann was sehr Schönes sein – und das ist sehr häufig dieses dieses Widersprüchliche, mit dem man dann so schlecht zurecht kommt:

Dass man dann einerseits unglaublich viel Glück und Liebe empfinden kann, vor allem, wenn dann auch schon Zeit vergangen ist, weil der dieser Mensch dieses, wundervolle Wesen da auf diese Welt gekommen ist und gleichzeitig kann da ganz viel Trauer, Wut und andere Gefühle da sein.

Diese Gefühle parallel zu haben und zu vereinbaren, dass ist häufig das, woran man dann zu arbeiten hat. Denn all diese Gefühle haben ihre Berechtigung. Man kann ja nicht sagen: “Ja, aber das Gefühl ist falsch oder dieses Gefühl ist falsch, sondern sie gehören alles zu dieser Erfahrung dazu!”

Das heißt also: Nur alleine die Tatsache, dass du einen Kaiserschnitt hattest, heißt nicht, dass du jetzt unbedingt eine Therapie machen musst oder dass dein Kind eine Therapie machen muss und Therapie machen.

Beobachte dein Kind!

Du kennst dein Kind am besten, du bist die Expertin für dein Kind! Was aber auf jeden Fall beim Kaiserschnitt ein Thema ist, man kann es ja wirklich sich auch bildlich vorstellen, was eben da passiert, auch durch die Medikamente beeinflusst wird, ist eben, dass viele Frauen das Gefühl haben im Grunde wie ab der Narbe nach nach unten zu dem unteren Teil ihres Körpers, ihres Unterleibs abgeschnitten, abgetrennt zu sein.

Da gibt’s eine wunderschöne Methode aus der EEH, da machen wir das mit der Schmetterlings-Berührung, dass man hier wieder Verbindung herstellt. Also Verbindung von deinem Unterleib runter in die Beine in die Füße, dass der Körper wieder zu einem wird. Weil was du nun in dieser Schwangerschaft brauchst ist natürlich, wieder die Anbindung an deinem Körper, dass du in den zurück findest und zu diesem neuen Baby dann auch findest und deinen Körper eben nutzen kannst für die Geburt. Weil da soll er ja jetzt wieder was ganz anderes leisten.

“Kann ich nach einem Kaiserschnitt überhaupt noch natürlich gebären?”

Es gibt auch Frauen, die nicht nur ein Kaiserschnitt erlebt haben, sondern schon zwei oder drei und dann natürlich noch häufiger die Frage kommt “Kann ich jetzt überhaupt noch natürlich gebären?” und das wird vielen Frauen schon nach dem ersten Kaiserschnitt gesagt: “Die nächste Geburt wird sowieso wieder einen Kaiserschnitt!”

Ich freue mich immer über solche Aussagen, weil ich mir dann immer vorstelle, wie diese Ärzte die solche Aussagen treffen oder auch Hebamme vor ihrer Glaskugel sitzen, da reinschauen und dann alle Antworten bekommen zu allen Fragen, die sie stellen!

Das ist überhaupt nicht gesagt! Also nur weil du einen oder mehrere Kaiserschnitte erlebt hast oder hattest, heißt es nicht, dass du auf jeden Fall eine Kandidatin für einen weiteren Kaiserschnitt bist!

Das ist aber häufig die Angst und hier ist es einfach wichtig sich gut gut zu informieren, denn Wissen nimmt auch Angst!

Meine Wunschgeburt nach Kaiserschnitt

Es gibt eine Expertin, die ich Dir gerne dafür empfehlen möchte: Dr. Ute Taschner

Die Ute Taschner war auch bei unserem Bindungskongress dabei und sie hat das Buch geschrieben “Meine Wunschgeburt”.

“Meine Wunschgeburt” bezieht sich auf die Wunschgeburt nach einer Kaiserschnittgeburt und da klärt sie sehr schön und sehr fundiert auf. Sie ist selber Ärztin und sie hatte selber beide Form der Geburt erlebt und kann das also aus der persönlichen und fachlichen Sicht sehr gut schildern. Sehr schön aufbereitet hat sie das Thema in ihrem Buch dargestellt.

Das ist eine Quelle, wo du dich informieren kannst. Such dir natürlich auch ein einen Gynäkologen oder eine Gynäkologin, die Frauen begleitet. Am besten speziell, die sich damit mit Geburt nach Kaiserschnitt auskennen.

Such dir jemanden, der auf deiner Seite ist und der den Weg eben mit dir geht, den du dir jetzt wünschst!

Wenn du dich nicht nicht gut begleitet fühlst, wo du jetzt bist, dann bitte ich dich: Wechsle! Such dir jemanden, der auf deiner Seite ist und der den Weg eben mit dir geht, den du dir jetzt wünschst! Das ist einfach das Wichtigste!

Wenn du sagst: “Nein! Das ich möchte sowieso noch mal einen Kaiserschnitt, weil mir das zu unsicher ist und ich sonst zu viele Ängste hätte!” oder wie auch immer. Das muss ja niemand bewerten, das ist einfach deine Entscheidung, wie du damit umgehst. Finde einfach jemanden, der dich aber auch unterstützt und informier dich einfach auch gut.

Ich helfe dir gerne!

Wenn du das Gefühl hast, dass deine letzte Kaiserschnittgeburt nicht sehr kaiserlich war, sondern das Gegenteil und du da vielleicht auch noch mehr Verbindungsarbeit mit deinem Körper mit deiner Narbe und mit allem was da ist – die äußere Narbe zeigt häufig nur das was in uns ist – und vielleicht auch Fragen zu deinem Kind hast, was du so geboren hast, was so geboren wurde, dann melde dich doch gerne!

Weil das sind Themen, mit denen ich mich auch sehr gut auskenne und viel auseinander setze!

Klar Körperarbeit geht nur hier bei uns vor Ort in der Praxis in Niedernhausen, aber Begleitung und Beratung, das geht auch alles online und dafür gehst du einfach auf unsere Seite https://geburtspsychologie.de und kannst dann Kontakt zu mir aufnehmen.

Ich freue mich, wenn euch diese Episode noch mal ein bisschen Klarheit darüber gegeben hat über diese spezielle Geburtsform.

Ich meine: “Geburt ist Geburt!” auch Kaiserschnitt ist Geburt!

Das sind dann nochmal diese anderen Themen: “Wann sich Mütter als Mütter fühlen” und die Mutterliebe die dann eventuell sich erst später einstellt – gerade nach einer Vollnarkose – und vor allem das, was danach kommt.

Ich habe nämlich auch schon Frauen erlebt, die gesagt haben: “Der Kaiserschnitt an sich war nicht das Dramatische oder das woran ich heute knabbere, sondern die Trennung vom Kind danach oder dass ich nicht stillen konnte. “Dass ich dann nicht noch einmal stillen konnte und mein Baby nicht versorgen konnte” und das sind dann diese Mütter-Themen, das ist dann dieses Mutter Thema.

“Bin ich jetzt überhaupt eine Mutter, wenn ich so geboren habe?” und so weiter.

Da kann man auch wirklich noch gut dran arbeiten und gut mit arbeiten und da kann ganz viel Heilung und passieren – auf jeden Fall! Aber es ist halt ein Weg dahin und diese Trennungsangst, die zu überwinden, das ist ja auch was man nicht nur für sich dann macht, sondern eben auch für das Kind, das schon da ist und auch das Baby was da jetzt noch kommt.

Von daher mache ich dir Mut daran zu gehen, dahin zu schauen und das auch so anzunehmen, was dann kommt.

Das ist, denke ich, das Wichtige!

Wie gesagt, wenn du noch Fragen hast, dann kommentiere natürlich auch gerne. Ich antworte auch gerne!

Ich möchte mich an der Stelle noch bei meinem Mann Swen bedanken, der transkribiert jetzt tatsächlich die Podcast-Folgen für euch und ich weiß, dass ist wahnsinnig viel Arbeit. Also, vielen Dank Schatz, wenn du das jetzt hörst mitschreibst, damit es auch für die die eher Leseratten sind und so unterwegs sind, zur Verfügung steht .

Ihr könnt gerne den Podcast abonnieren, dann verpasst ihr nichts. Ihr könnt den Podcast gerne teilen.

Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ihr ihn bewertet und bedanke mich schon mal dafür unbekannterweise!

Ich wünsche euch jetzt noch eine gute Zeit und eine wunderschöne neue Schwangerschaft!

Macht es gut!

Bis bald ciao!

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